Bis zum Zusammentritt der Londoner Konferenz
im Juli 1924 wurde der amerikanische Standpunkt, das
ist der Standpunkt der amerikanischen Bankiers unter
der Führung Morgans, in bezug auf die Regelung der
Zahlungen Deutschlands, mehrmals von neuem präzisiert.
Besonders wurde immer wieder darauf hingewiesen,
daß Sanktionen nicht in Frage kommen
dürften, wie die Meinung des „maßgebenden Geldmannes”
sei, und Wall Street wies ausdrücklich darauf
hin, daß etwaige Rückstände Deutschlands in den
Zahlungen nach dem Dawes-Gutachten nicht als böswillige
Verfehlungen mit Sanktionen zu bestrafen,
sondern unvoreingenommen auf ihre Ursachen zu
untersuchen seien,
Hierbei machten sich nun zwei interessante Strömungen
bemerkbar. Die eine war der hinter den Kulissen
geführte Kampf des neuen Finanzzentrums der
Welt, New York, gegen das alte, London. Es wurde
immer von neuem betont, daß die neue deutsche Goldbank
auf Goldgrundlage errichtet werden müsse, Gemeint
war damit, auch wenn es nicht ausdrücklich
hinzugefügt wurde, auf Dollargrundlage. Das englische
Pfund war damals nicht ganz stabil, und es wurde die
Befürchtung ausgesprochen, daß die neue deutsche
Währung auch gleich ins Wanken geraten würde,
wenn sie sich etwa auf der Pfundgrundlage aufbauen
sollte. Ferner wurde darauf aufmerksam gemacht, daß
der Dawes-Plan von allen Beteiligten unter allen Umständen
angenommen werden müsse, und zwar schon
aus Rücksicht auf das Prestige Amerikas. Das war
eine leise Drohung.
Außerdem wurde darauf hingewiesen, daß es sich
bei der ganzen Angelegenheit nicht um eine politische,
sondern um eine rein geschäftliche Frage handele. Die
vorerst wichtigste Transaktion nach dem Sachverstän-3”
201