Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

von 140 Prozent arbeitete. Das bedeutete natürlich 
nicht nur den Bankrott, sondern die völlige Vernich- 
tung. Die Central andererseits konnte ihr Kapital mit 
knapp 1 Prozent verzinsen. Sie war schon sehr her- 
untergekommen und steuerte geradeswegs auf die 
Zahlungsunfähigkeit los. Ihr Schicksal hing an dem 
Seidenfaden, wieviel Geld sich die West Shore noch 
leihen konnte. 
Natürlich blickte alles gespannt auf Vanderbilt; 
man erwartete, daß er die West Shore aufkaufen 
werde. Aber er erinnerte sich an seine Erfahrung mit 
der Nickel Plate und zögerte noch. Er hatte es durch- 
aus nicht eilig. Außerdem war er Eigentümer der 
South Pennsylvania, und diese stand zu der Pennsyl- 
vania in genau derselben Beziehung wie die West 
Shore zur Central. 
Präsident der Pennsylvania war damals George 
HK. Roberts, ein willensstarker, hartnäckiger Mann, der 
seine Laufbahn im Eisenbahnwesen als Strecken- 
vorarbeiter begonnen und für Finanzleute herzlich 
wenig übrig hatte, Er stammte aus Wales. Roberts 
nahm sich kein Blatt vor den Mund, wenn er über den 
Bau von Konkurrenzlinien sprach, er nannte ihn Er- 
pressung und sagte, der einzige Weg, derartige Machen- 
schaften aus der Welt zu schaffen, sei Kampf, Kampf 
bis zur Vernichtung solcher Unternehmungen. Er er- 
klärte, daß er dieser Politik folgen werde und daß 
niemand ihn davon abbringen könne. Das letztere 
zielte auf Morgan, der Verhandlungen begonnen hatte, 
um zu irgendeinem Kompromiß zu gelangen. Andrew 
Carnegie, der weitgehend an der South Pennsylvania 
beteiligt war, suchte Roberts auf und deutete an, daß 
diese neue Linie am besten als Teil des Systems der 
Pennsylvania betrieben werden könnte. Roberts er- 
widerte, Vanderbilt und andere reiche Leute hätten 
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