Full text : Gesellschaftslehre

Die verbale Beeinflussung.

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lung, die sich nicht aus den Regeln einer strengen Zweckmäßigkeit herleiten
 läßt, angewendet. Es ist ein seltsam widerspruchsvolles Gebilde,
das auf diese Weise in der populären Vorstellung der Suggestion sich
herausgebildet hat. Alle Bewußtseinsvorgänge, die nicht den Anforderungen
 der strengen Logik oder strengen Zweckmäßigkeit entsprechen,
sollen auf Suggestion beruhen. Und gleichzeitig sollen sie eine Art von
pathologischem Charakter tragen, nämlich der normalen Natur des
Menschen und demjenigen Verhalten, das man von Rechts wegen erwarten
 dürfte, zuwiderlaufen. Zwei Voraussegungen sind in diesem
widerspruchsvollen Begriff enthalten: erstens müsse jede Überzeugung
normalerweise nicht auf Beeinflussung beruhen, sondern selbständig im
Einzelnen gebildet sein; und zweitens müsse jede derartig selbständig
gebildete Überzeugung logisch oder kritisch fundiert sein. Tatsächlich
wissen wir, daß es auch für die unabhängig von fremden Einflüssen gebildeten
 Überzeugungen eine Menge von außerlogischen Grundlagen
gibt, namentlich die Anschauung, die Analogie, starke Affekte usw. Gerade
 an diese Fehlerquellen knüpfen allerdings die Beeinflussungen, namentlich
 die beabsichtigten, gern an. Über die Falschheit der ersten
Voraussegung ist kein Wort zu verlieren. Will man den in Rede stehenden
 populären Sprachgebrauch von seinen Widersprüchen befreien, so
bleiben nur zwei Möglichkeiten übrig. Entweder man
bezeichnet als Suggestion jede Art von Beeinflussung, macht
also den Mangel an Selbständigkeit bei der Urteilsbildung zum entscheidenden
 Kriterium; dann muß man die Vorstellung des Pathologischen
 fallen lassen. Oder man schränkt ihn auf gewisse Fälle gesteigerter
 Beeinflussung ein, am besten auf diejenigen
Fälle, die vorhin als „Stiltrübungen‘“ bezeichnet wurden und bei denen
ein aus der Persönlichkeit sich ergebender Widerstand überwunden werden
 muß. Jede von beiden Arten des Sprachgebrauchs, deren jede in
sich widerspruchslos ist, kommt tatsächlich vor. Wenn man den Erfolg
des Hochstaplers, der mit seinen erdichteten Geschichten von vorenthaltenen
 Reichtümern, geheimnisvollen Beziehungen und bevorstehenden
großen Gewinnen kritiklos Glauben findet, angesichts des ungewöhnlichen
 Charakters eines solchen Erfolges auf Suggestion zurückführt und
das legtere Wort auf diesen Typus von Vorfällen beschränkt, so huldigt
man der zweiten der eben unterschiedenen beiden Möglichkeiten. Bezeichnet
 man dagegen als suggestive Fragen alle diejenigen Fragen, die
bereits eine Voraussegung über den Inhalt der Befragung in sich enthalten
 und dadurch leicht unlegitimierte Vorstellungen in den Befragten
hineinschmuggeln, so handelt es sich hierbei um Beeinflussungen völlig
normaler Art, die alltäglich vorkommen. Dieser Sprachgebrauch fügt
sich also dem ersten der heiden unterschiedenen Fälle ein. Konseauenter-
            
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