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Geld s ch Lp f u n g s t h ö orie: „Klassisches Geld" ist solches, das die
Preisgestaltung nicht beeinslußt. Es darf also nur der Warenvermehrung
entsprechend geschaffen werden, muß mit den Waren wieder aus dem
Verkehr verschwinden. Keine Kaufkraft soll erzeugt werden, die nicht in
der Produktion ihre Rechtfertigung findet. Darüber hinaus darf der
Verkehr nur mit Geld zum Zweck des Ausgleiches (Quartal!) ver
sorgt werden.
Auch Karl Elster („Die Seele des Geldes", Jena 1920) sieht im
Gelde nur das „dienende Werkzeug", das keiner Bewertung durch den
wirtschaftenden Menschen unterliegt.
Gegen die nominalistische Lehre von Knapp, Bendixen,
Otto Heyn, Liefmann, Moll, Singer u. a. haben sich
Adolph Wagner, Lotz, Conrad, Diehl, Lansburgh,
Wagemann u. a. gewandt.
Im Mittelpunkte ihrer Erörterungen steht der Gedanke, daß es un
durchführbar sei, einen Wertmesser für alle Staaten zu schaffen, der
nicht selbst einen eigenen Wert besitze. Ein solches st o f f w e r t l v s e s
Geld sei, wenn ihm der Zwangskurs verliehen würde, wohl innerhalb
eines Staatsgebietes, einer isolierten Wirtschaft möglich, nicht aber im
Bereiche aller Kulturvölker, da derartige internationale Verträge niemals
zustandckommen können, solange es für ihre Einhaltung Garantien nicht
gäbe. Im Verkehr mit dem Auslande muß die Geldeinheit zugleich einen
Stoffwert darstellen. Gold ist das letzte Zahlungsmittel, wenn Güter
oder Leistungen nicht mehr vorhanden sind. Nicht umsonst sind die Staaten
zu möglichst einheitlicher Grundlage ihres Gcldsystems übergegangen.
Freilich haben sich auch viele, wie z. B. Österreich im 19. Jahrhundert,
mit stofflich wertlosem Geld beholfen.
Adolph Wagner erklärt Geld mit stabilem Eigenwert für
theoretisch unmöglich, während Karl H e l f f e r i ch mehr praktischer
Metallist ist und politische Gründe für die Aufrechterhaltung der Gold-
tvährung geltend macht. Karl Diehl, dem Hauptvertreter des theo
retischen Metallismus, ist Geld nur das aus Edelmetall geprägte; „der
Staat übt nur die ganz untergeordnete Funktion aus, der Gewichtsmcnge
Metall einen bestimmten Namen zu geben". Das Geld muß stofflichen
Wert haben, weil niemand Dinge von Wert, also Güter, gegen Wertloses
(Geld) hingeben würde.