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Will, man dem großen Reiche der Prostitution wirklich ein an
sehnliches Terrain abgewinnen, so mutz man den weiblichen Dicnst-
choten das Bewußtsein ihrer Arbeiterinnenehre anerziehen und- sie
zur wirtschaftlichen Organisation ihres Berufes leiten. Fallen
müssen von ihnen alle die Charakterzüge der Unterwürfigkeit, die
! ihnen noch aus dem Gesindewesen anhaften. Es mutz die Axt an
die rückständigen Gesindeordnungen gelegt werden. In ein modernes
'Arbeitsverhältnis hat sich das Gesindeverhältnis zu wandeln.
II. Kapitel.
Sie Prostitution als Klaffenerlcljeinung und iljrc Ueberwindung.
In den Großstädten, wo sich eng aneinander die Nabobs- und
die Lazarusschichten der Gesellschaft reiben, schießt die Prostitution
zu einer riesigen sozialen Schmarotzerpflanze empor. Der Nähr
boden wird ihr erst vollständig mit dem Fortfall der sich scharf be
fehdenden sozialen Klassen entzogen. Solange sich noch in unserer
städtischen Klassenkultur Frauen finden werden, die sich direkt zur
Fristung ihrer Existenz verkaufen müssen, ist die Prostitution nicht
zu entwurzeln. Solange sich in den Städten eine unverheiratete
zahlungsfähige Jungmannschaft häuft, die aus engherziger Klassen
moral heraus mit den eigenen Klassengenossinnen keine freien Liebes
und Ehebünde eingehen, und die sich die körperliche Hingabe von
Nichtklassengenossinnen mit Geld erkaufen können, werden die Pro
stituierten in hellen Scharen in unseren Großstädten herumwimmeln.
Das Klassenprinzip ist die Wurzel der modernen städtischen
! Prostitution. Das Klassenprinzip schließt wirtschaftlich mächtige
und ohnmächtige Klassen ein, es zerstört das Gefühl der menschlichen
Gemeinsamkeit zwischen den Angehörigen der verschiedenen Klassen,
.es schwächt die Idee der Verantwortlichkeit im geschlechtlichen Ver
kehre ab, es trübt die rein menschlichen Beziehungen der beiden Ge
schlechter zu einander. Die Eheschließung wird zugunsten des Idols
der sogenannten standesgemäßen Ehe ganz ungebührlich lauge bei
den besitzenden Klassen hinausgeschoben und dadurch ein ungebun
dener außerehelicher feiler Liebesverkehr entfesselt.
( Die Ueberwindung der Prostitution als einer sozialen Klassen
erscheinung liegt in der Richtung der Aufhebung der Klassen über
haupt. Darüber sind wir keinen Augenblick im Zweifel..
Die Prostitution wird aber Provinz an Provinz verlieren mit
dem sozialen Aufstreben und der wachsenden wirtschaftlichen Un
abhängigkeit der arbeitenden weiblichen Bevölkerungsgruppen, die
sich bisher aus Mangel an einem starken wirtschaftlichen Rückgrat
nicht auf den eigenen Füßen halten konnten und deshalb oft in. den
Straßenschmutz hinabstrauchelten. Auf eine wirtschaftliche und