Der große Entscheidungskampf gegen den gewaltigen fran
zösischen Imperator war, wie es schien, zu Ende gekämpft, als
am 22. September 181^ der Wiener Kongreß zusammentrat, um
die durcheinandergeworfenen politischen Verhältnisse Europas neu zu
ordnen oder im wesentlichen auf den früheren Stand zurückzuführen. Die
Tagung währte bis zum 10. Juni 1815; aber während dieser Zeit
kehrte Napoleon von Elba zurück. Der Kongreß, in dem sicheren
Bewußtsein, daß das zweite Kaisertum keinen Bestand haben werde,
fuhr ruhig in seinen Arbeiten fort. Gerade während sich die Ent
scheidung über Napoleon in Belgien vorbereitete, wurde auch in
Wien über das Schicksal Deutschlands für die nächsten sechzig Jahre
entschieden. Noch in letzter Stunde in elf Konferenzen, die vom
23. Mai bis 10. Juni währten, wurden die Verfaffungsbestimmun-
gen für den künftigen Deutschen Bund man kann sagen: durch
gepeitscht, indem man Näheres und Weiteres dem Organe des
neuen Bundes, dem Bundestag zu Frankfurt, zur Beratung und
Durchführung aufsparte.
Die Leistungen dieser Neuschöpfung waren auch danach. Sie
konnten nicht besser sein, weil Österreich geflissentlich jede Ent
faltung einer selbständigen Wirksamkeit im Keime erstickte. Der
Bundestag sollte nichts anderes als ein Werkzeug in der Hand
Metternichs und seines Kaisers darstellen, denen jede allgeineine
deutsche Regung und Betätigung ein Greuel, ein Gegenstand stiller
Angst war. Die vom deutschen Volke auf die neue Organisation
anfänglich gesetzten Hoffnungen erwiesen sich darum bald als nichtig.
Nur zu rasch wurde man sich über ihre Unfähigkeit und Ohnmacht
klar. Gleich anfangs zeigte sich diese in der hessischen Domänen
frage. Der heimgekehrte Kurfürst Wilhelm I. hatte wider alles
Recht und jede Billigkeit die von dem König Iörüme in der Ara
des Königreichs Westfalen verkauften Domänen ohne Entschä
digung von den derzeitigen Inhabern zurückgefordert. Diese wandten
sich an den Bundestag, der wohl anfangs ihre Sache zu vertreten
gedachte, dann aber auf einen energischen Wink von der Hofburg
aus die Sache fallen ließ, überdies vom Kurfürsten flegelhafte