Ketten und Fesseln sind ebenfalls verboten. Im Gesetzbuch
heißt es, im Interesse der Aufrechterhaltung der Ordnung im Gefängnis
kann der Direktor Strafmaßnahmen unter Berücksichtigung
des Bildungsgrades des Gefangenen verhängen. Daran will ich eine
kleine Episode knüpfen, die. ich selbst erlebt habe. Ich hatte die
Ehre, von einem königlichen Major eine ganze Nacht hindurch mißhandelt
zu werden. Am nächsten Tag kommt er in den Karzer gestürzt
und sagte: „Ich wußte nicht, daß Sie Intellektueller sind, ich
hätte Sie sonst nicht so mißhandelt.‘ Ich habe das begeistert zur
Kenntnis genommen, denn ich sehe, der Bildungsgrad wird gewertet.
Ich will nun zu den Ketten übergehen, Trotz des Verbots werden
gerade den politischen Verbrechern Ketten und Fesseln angelegt.
Wenn etwas davon bekannt wird, so sagt man, daß die Gefahr der
Flucht besteht. Eigentümlich ist es aber, daß alle „auf der Flucht
Erschossenen‘ ohne Ketten transportiert wurden.
Ich möchte Ihnen nur einmal vergegenwärtigen, wie so ein Karzer
aussieht. Stellen Sie sich einen standuhrähnlichen Kasten vor,
in derselben Tiefe und Breite, Er erreicht die Höhe eines Menschen,
der in diesen Kasten hineingepreßt wird, Er kann weder die Knie,
noch die Arme, noch die Schultern bewegen. Durch ein kleines
Löchlein kann er Wasser trinken, Es ist auch vorgeschrieben, ihm
eine bestimmte Portion Maisbrot zu geben, Wenn der Wächter mild
ist, dann stopft er ihm diese Portion in den Mund, gewöhnlich fällt
es aber vorbei. Dort steht er eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden,
vierundzwanzig Stunden, einen Tag und eine Nacht, zwei
Nächte, zwei Tage, sechs Tage, zehn Tage. Zehn Tage ist die Norm.
Tag und Nacht, 24 auf 24 Stunden steht er da, ohne ein Glied rühren
zu können, Die Füße schwellen an, es bilden ‚sich eitrige Wunden,
im Winter frieren ihm die Füße am Zementboden an. Der Genosse
Goldstein war während der vielen Monate unaufhörlich mit einer
Pause von zwei Tagen in diesen Kasten gepreßt. Als Erschwerung
der Strafe kommt das Maisbrot in Wegfall, Als weitere Erschwerung
kommt hinzu, daß Nacht für Nacht besoflfene Offiziere und
Unteroffiziere kommen, um ihren sadistischen Gelüsten zu firöhnen,
ziehen Gefangene nackt aus und prügeln sie, Das sind Disziplinarstrafen
im Rahmen des Wirkungskreises des Direktors,
Wir gehen von Disziplinarstrafen, die ich mit Absicht zuerst
angeführt habe, zu der Kost über. Heute ist in Rumänien das Tagesbudget
eines Gefangenen etwas höher als 8 Lei. Um sich zu vergegenwärtigen,
was das heißt, will ich Ihnen sagen, daß man für
20 Lei ein Kilogramm schwarzes Brot erhält, Für diese 8 Lei bekommt
der Gefangene also Tee — das ist heißes Wasser, das mit
irgend etwas gefärbt ist und an Tee erinnert —; er bekommt zum
Mittag Kartoffelsuppe — es ist das eine Suppe, die etwas faul anmutet
und in der einige Kartoffelschalen herumschwimmen. Er bekommt
zum Nachtmahl dieselbe Suppe; er bekommt außerdem ein
dumpfschmeckendes Maisbrot. Der Herr Direktor ist der Mehllieferant.
Er besitzt, dank seiner Ersparnisse, einen großen Teil
Aktien des rumänischen Mühlenkonzerns.
Etwas über die Krankheiten in den Gefängnissen, In den Gefängnissen
sind 80 bis 90 Prozent aller Gefangenen mehr oder minder
magen- und darmkrank, Es kommt auch häufig vor, daß die Gefangenen
Magengeschwüre bekommen. Von einer Behandlung durch
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