Object : Bankpolitik

78

II.  Der  Geldmarkt.

k

da  die  intensive  Tätigkeit  auf  dem  Kapitalmarkt  die  Tendenz  hat,  diesen
Zwischenraum  zu  verkürzen.
Innerhalb  der  großen  Epochen  heben  sich  die  einzelnen  Konjunkturperioden
  ab:  In  Epochen  steigenden  Zinses  liegen  die  Durchschnittszinse
  in  der  folgenden  bionjunkturperiode  höher  als  in  der  vorhergehenden, ­
  in  Epochen  fallenden  Zinses  niedriger.  Man  hat  in  der
Gegenwart  oft  die  Behauptung  aufgestellt,  daß  die  Konjunkturperioden
einander  rascher  folgen  als  ehedem.  Vas  ist  nicht  zutreffend.
Zn  der  vorhergehenden  Epoche  starker  Investition  waren  die  Konjunkturperioden
  nicht  von  langer  Dauer:  jene  von  1858—1864  dauerte
sieben,  von  1865—1869  fünf  und  von  1870—1875  nicht  viel  über  drei
Iahre,-  kürzere  Dauer  weisen  auch  die  Konjunkturperioden  in  der  Gegenwart ­
  nicht  auf.
Die  Einwirkung  der  Epochen  und  der  Konjunkturen  innerhalb
derselben  auf  die  Notenbanken  läßt  sich  am  deutlichsten  durch  einen
Vergleich  der  Zeit  von  1880—1895  mit  jener  von  1895  bis  in  die  Gegenwart ­
  zeigen.  Die  erste  Epoche  begann  nach  Vollendung  der  großen
Eisenbahnbauten,  nach  der  schweren  Krise  von  1873,-  es  war  eine  Zeit
des  Friedens,  geringer  Investitionsbedürfnisse  von  Staat  und  Privatunternehmungen. ­
  Das  Sinken  der  Warenpreise,  von  den  Getreidepreisen
ausgehend,  entmutigte  die  Warenspekulation,  Nbgleitungen  der  Aktienkurse
infolge  der  Stagnation  in  vielen  Produktionszweigen  die  Uktienspekulation.
  Es  war  jene  Zeit,  in  der  die  Agrarier  das  Getreideterminhandelsverbot ­
  verlangten,  weil  damals  die  Warenspekulation  meist
sinkende  Preise  vorhersah.  Die  Epoche  seit  1895  ist  dagegen  eine  Kriegs-,
Rüstung?-  und  Industrieepoche,  eine  Zeit  steigender  Preise.  Bewegen
sich  auch  die  Konjunkturen  in  Wellenlinien,  so  liegen  die  preise  an  den
Spitzen  einer  Konjunktur  doch  regulär  höher  als  in  der  vorhergehenden,
und  das  gibt  nicht  bloß  der  berufsmäßigen,  sondern  auch  der  Publikumsspekulation ­
  die  Zuversicht,  daß  ein  Sinken  der  Preise  nur  eine  vorübergehende ­
  Tatsache  sei.  Waren-  und  Effektenspekulation  haben  zugenommen ­
  und  mit  ihnen  der  Bedarf  nach  Geldmarktkredit.
Wie  sich  die  zwei  Epochen  und  ihre  Konjunkturperioden  in  die
Bilanzen  der  Notenbanken  einzeichneten,  das  zeigen  die  folgenden
Uebersichten:
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.