Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 3)

(821) 1863 Febr. 17 
persönlich, teils um nicht als Konkurrenten von Studiosus Blind 
zu erscheinen, teils um uns den Weg nach Deutschland nicht ab- 
zusperren, Aber dazu ist der hiesige Arbeiterverein gut. In 
seinem Namen muß ein Manifest erlassen werden, und imme- 
diately. Du mußt den militärischen Teil schreiben — i, e. 
Deutschlands militärisch-politisches Interesse an der Wiederher- 
stellung Polens, Ich schreibe das Diplomatische. 
Nun, old boy, antworte, und wenn Dir was auf dem Herzen 
liegt, speak out like a man und sei sicher, daß kein Mensch einen 
so herzlichen Anteil an Deinem Wohl und Weh nimmt als 
Dein Mohr. 
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HH 
322. Engels an Marx; 1863 Februar 17. 
Manchester, 17. Februar 1863. 
Lieber Mohr, 
Du mußt mein langes Schweigen entschuldigen. Ich war in ıs 
sinem sehr öden Zustand, aus dem ich mich endlich herausarbeiten 
mußte. Ich versuchte slawische Sprachen, aber die Einsamkeit 
war mir unerträglich. Ich mußte mich gewaltsam zerstreuen. Das 
half, ich bin jetzt wieder der alte Kerl. 
Die Polen sind ganz famose Burschen. Wenn sie sich noch hal- z 
ten bis zum 15. März, so geht’s in ganz Rußland los. Im Anfang 
hatte ich höllische Angst, die Sache müsse schief gehn. Jetzt aber 
sind die Chancen des Siegs denen der Niederlage fast schon über- 
legen. Es ist nicht zu vergessen, daß die polnische jüngere 
Emigration eine eigne Militärliteratur hat, in der alle Punkte mit 2 
spezieller Berücksichtigung der polnischen Verhältnisse behandelt 
sind, und daß in dieser die Idee des Guerillakriegs in Polen eine 
sehr bedeutende Rolle spielt und sehr ausführlich behandelt ist. 
Eigen ist auch, daß die beiden einzigen bis jetzt genannten Chefs 
sin Warschauer Jude Frankowski und ein preußischer Leutnant 
Langiewicz sind. Die Herren Russen müssen bei dem Guerilla- 
krieg bei ihrer Unbehülflichkeit schrecklich leiden. 
Hast Du gesehn, daß Bakunin und Mieroslawski sich gegen- 
seitig Lügner schimpfen und über die russisch-polnischen Grenzen 
sich in den Haaren liegen? Den Kolokol habe ich mir bestellt und 
denke Näheres darüber drin zu finden. Übrigens werde ich schwer 
>chsen müssen, ehe ich mich wieder hineinarbeite. 
Niederträchtig wie immer benehmen sich die Preußen. Mon- 
sieur Bismarck weiß, daß es ihm an den Kragen geht, wenn Polen 
und Rußland revolutioniert werden. Mit der preußischen Inter- « 
vention hat es übrigens keine Eile. Solange sie nicht nötig ist, 
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