Object : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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b) Das Sachverstehen
Von Sachverstehen rede ich dort, wo es sich um das Verständnis
wirklicher Wirtschaft, der Wirtschaft in Raum und Zeit, das heißt
in der Geschichte, also um das Verständnis objektivierten,
niedergeschlagenen Geistes handelt. Der Geist schlägt sich in
Sinnzusammenhängen nieder: Einheiten innerlich zusammengehöriger
 Einzelheiten. Ich wähle zur Bezeichnung dieser Sinneinheiten
 den farblosen Ausdruck „Zusammenhang“ und werde erst
später die verschiedenen Arten des Zusammenhangs genauer bestimmen.
 Die jetzt aufgekommenen Bezeichnungen „Gebilde‘“ und
„Ganzes‘‘ vermag ich leider in meine Sprache nicht zu übernehmen.
Das Wort „Gebilde‘‘ ist zu stark mit allerhand anderen. Bedeutungen
belastet®e, während der Ausdruck „Ganzes‘‘ irreführt: teilweise
handelt es sich, wo wir von Sinnzusammenhängen sprechen, überhaupt
 nicht um „Ganze“ in der Prägung, die wir in unserer heutigen
Logik dem Worte geben; wo aber wirkliche ‚Ganze‘ vorliegen, kommt
es für unsere Zwecke gar nicht auf die Hervorhebung des Ganzheitscharakters
 an, der gleichgültig ist, als vielmehr auf die Herausarbeitung
 der geistigen Einheit, die eine Anzahl von wirtschaftlichen
Erscheinungen bildet.
Daß diese nur in ihrer Zugehörigkeit zu irgendwelchen Sinnzusammenhängen
 zu „verstehen“ sind, ist die grundlegende Einsicht,
die wir festzustellen haben und die allzu häufig übersehen wird. Was
ein Suppenwürfel „ist‘‘, vermag ich nur einzusehen, wenn ich ihn in
den Sinnzusammenhang „Suppe“ stelle, und daß ein Metallstück mit
eingeprägten Zeichen ein „Geld“stück sei, und welche „Geltung“ es
habe, wird mir nur einsichtig auf Grund der Kenntnis des Geldsystems,
 von dem es einen Bestandteil bildet.
Da es sich um die Einordnung einzelner Erscheinungen in einen
verwirklichten Sinnzusammenhang handelt, also um einen Sinnzusammenhang
 in der Geschichte, so ist alles Sachverstehen historisches
 Verstehen. Wiederum eine wichtige Einsicht: daß die

85 Siehe die Zusammenstellung der verschiedenen Bedeutungen, die das Wort
„Gebilde“ im Lauf der Zeiten gehabt hat und heute noch hat, bei B. Harms,
Der Begriff der Weltwirtschaft. Erster Teil. Weltwirtschaftliches Archiv. 23. Band
(1926 D).
            
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