Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

ınd daß sich dabei die Vertreter gleicher wirtschaftlicher 
Interessen zum Kampfe gegen andere zusammenschließen, 
macht keinen Unterschied und ist auch. wie gesagt, keines- 
wegs eine .„kapitalistische“ Eigentümlichkeit. Wohl 
aber erleichtern solche Organisationen 
staatliches Eingreifen das aber auch so lange 
keine neue Wirtschaftsordnung bedeutet. als es nicht zu 
neuen Verteilungsgrundsätzen führt. Wirt- 
schaftsdemokratie ist daher nichts anderes als der Versuch. 
nit dem auch von anderen wirtschaftlichen Gruppen be- 
liebten Schlagwort „Vertretung der Interessen der All- 
gemeinheit“ einen größeren Einfluß der Ar 
beiterkiasse im Wirtschaftsleben durch- 
zusetzen. ohne dessen Grundlagen zu verändern, 
Wenn das immer deutlich ausgesprochen wäre, könnte 
man sich mit diesem Ziel der „Wirtschaftsdemo- 
kratie‘“ abfinden. Aber am Schlusse betonen die Ver- 
jasser. daß ihnen 
die ganze sogenannte Wirtschaitsdemokratie doch 
aur als ein Mittel zur Erreichung des so- 
zialistischen Endziels 
zilt. Solche höchst unklaren Zukunftsziele dürfen aber 
aicht die heutige Wirtschaftspolitik bestimmen. Eine Wirt- 
schaftspolitik, die irgendwelche Maßregeln deshalb emp- 
Hehlt, weil in ihnen vielleicht Ansätze zum Sozialismus 
anthalten seien. sie dem sozialistischen Ideal näher bringen 
könnten, ist sehr bedenklich und kann auch für die 
Arbeiter sehr üble Folgen zeitigen. 
Ich fasse zusammen: Es ist an sich nichts dagegen ein- 
zuwenden. auch Arbeitervertreter an allerlei 
Unternehmerorganisationen zu beteiligen. Nur soll man 
nicht sich und anderen einreden, daß diese die Interessen 
der Allgemeinheit vertreten. oder gar überhaupt Ar- 
beiterinteresse und Allgemeininteresse 
für identisch und als Gegensatz .zum „kapitali- 
stischen Interessse“ erklären, Und wenn man. wie 
es in „Wirtschaftsdemokratie‘“ am Schlusse offen ausgespro- 
chen wird, alle diese sogenannte Demokratie in der Wirt- 
schaft nur zu dem Zweck und in der Hoffnung fordert. den 
Sozialismus zu verwirklichen. dann ist: es sehr be- 
greiflich, daß dieienigen. die darin kein Ideal sehen und die 
Unklarheiten seiner Ziele erkennen, auch solchen Maßregeln. 
die an sich geeignet wären dem sozialen Frieden zu die- 
nen, wegen der „Wirtschaftsgesinnqung“, die da- 
hinter steckt, mit MiBtrauen begegnen.
	        
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