Object: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

68 Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft. 
gibt und welche auf 4,14 % für das 2, 8,28 0% für das 3. und 9,94 0% für die 
folgenden. Jahre von der Rente der betr. Industrien beziffert werden, sodaß hier im 
höchsten Falle nur der zehnte Teil weggesteuert würde, während unsere Rechnung 
auf 50 % bzw. 331/ 0% kommt. 
Natürlich handelt es sich im Vorstehenden nur um Nustrationszahlen bzw. 
um ‚eine rohe Rechnung mit dem Versuch, die Frage der Aufbringungsmöglich- 
keit zu bejahen. Diese Bejahung erfolgt aber nur in dem Sinne, daß eine Kapi- 
talbildung in dem ungeheuerlichen Ausmaß der Reparationsforderungen mög- 
lich ist, und nicht in dem Sinne, daß eine Jährlich immer wiederholte Kapital- 
beschlagnahmung in Deutschland von den Feinden von gestern im Be- 
trage von jährlich 2,5 Milliarden Mark irgendwie. moralisch gerechtfertigt oder 
weltwirtschaftlich oder politisch sinnvoll wäre. Eine Kapitalbeschlagnahme im 
Ausmaß des 21% fachen der Sparkassen-Kapitalbildung der Vorkriegszeit oder der 
halben Rente alles deutschen Vermögens ist ein Monstrum von ökonomischer Kurz- 
sichtigkeit, dessen Grundgedanke nur in der überhitzten Atmosphäre einer Friedens- 
diktatkommission entstehen konnte. 
Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß ein solch monströses politisches 
Vorgehen, das niemals als die Tat verantwortlicher, die Zukunft berücksichtigender 
Staatsmänner, sondern ewig als die „Politik eines Greises‘, der die Frage „nicht 
vom Standpunkt der Menschheit und der- europäischen Kultur ansah‘“, sondern 
einseitig von französischen Interessen aus, der „die Uhr zurückstellen und un- 
geschehen machen wollte, was der Fortschritt Deutschlands seit 1870 voll- 
bracht hattel)‘, betrachtet werden wird, sich! geschichtlich rächen wird. Eine 
Möglichkeit geschichtlicher Rache hebt sich bereits jetzt deutlich von der Zakunft 
ab. Wenn nicht der Reparationssinnlosigkeit ein Ende gemacht wird, dann werden 
aines Tages so große Teile des deutschen Betriebsapparates in ausländischen Händen 
sein, daß. hieraus. ein „Wehe den Siegern‘“ entstehen muß. 
Das Gefährliche für die Reparationsgläubiger besteht darin, daß Deutschland 
in der Zwischenzeit, wie wir dargelegt haben, durchaus den Nutzen der Reparations- 
konjunktur genießt, während für die Empfangsländer der Reparationszahlungen 
auch inzwischen im wesentlichen nur Störungen ihrer Wirtschaft entstehen, 
wie noch zu zeigen sein wird. Dazu kommen die Störungen aus der Reparation 
als Weltzwangswirtschaft, von denen wir, die Entente und alle Neutralen mitbe- 
iroffen werden. Wie lange noch in aller Welt soll dieser „Krieg mit veränderten 
Mitteln‘“ fortgesetzt werden? 
Genau wie im‘ Weltkrieg haben wir auch hier den Vorteil der „inneren 
Frontlinie‘, denn bei uns soll sich das Kapital bilden. 
1) Keynes, Die wirtschaftlichen Folgen. des Friedensvertrags, übersetzt von Bonn 
and Brinkmann, Duncker & Humblot, München 1920
	        
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