fullscreen: Die Wasserversorgung in Bayern nach dem Stande vom 1. 1. 1928

3. Entwicklung der Wasserversorgung. 
Die fortschreitende Entwicklung der Wasserversorgung wird nicht zuletzt durch die 
allgemeinen Fortschritte im wirtschaftlichen und kulturellen Leben bedingt. Schon die 
alten Kulturvölker haben auf dem Gebiete der Wasserversorgung Großes geleistet. Die 
Ausgestaltung der modernen Wasserversorgung ging Hand in Hand mit dem mächtigen 
Aufschwung, den Wirtschaft, Wissenschaft und Technik in wechselseitiger Förderung 
seit Mitte des vorigen Jahrhunderts nahmen. Zu danken ist dies vor alleın den erweiterten 
Kenntnissen über die, geologisch-hydrologischen. Voraussetzungen für die Gewinnung des 
Wassers, über die Mechanik und die Beschaffenheit des Wassers, über die Möglichkeiten 
zur Wasserreinigung, namentlich aber auch den technischen Fortschritten im Tief- und 
Hochbau, im Maschinen- und Armaturenbau. Die künstliche Hebung des Wassers ins- 
besondere wurde wesentlich erleichtert durch die Kleinmotoren und durch die Ausbreitung 
der Elektrizitätsversorgung. Auch den ländlichen Orten wurde damit die Wohltat einer 
neuzeitlichen Wasserversorgung mehr und mehr erschlossen. 
Neben die alten Formen des Wasserbezuges aus offenen Wasserstellen (Quellen, 
Bächen, Flüssen usw.), Pump-, Zieh- oder Schöpfbrunnen, aus Zisternen, Ortsweihern und 
ähnlichen Wassersammelstellen traten auch in Bayern schon ziemlich früh Wasserleitungs- 
anlagen. So gab es beispielsweise in der Stadt München schon vor 300 Jahren Wasser- 
leitungen mit laufendem Wasser, für die besondere Pumpwerke angelegt wurden. Zu 
Beginn des 19. Jahrhunderts waren in München etwa 2500 Schöpf- und Pumpbrunnen 
vorhanden; außerdem bestanden 15 städtische Brunnenstuben, für die das Wasser von 
auswärts herbeigeleitet wurde. Im damals markgräflichen Ansbach wurden im 17. und 18. Jahr- 
hundert Laufbrunnenleitungen für die Hofhaltungsgebäude, Kasernen usw, gebaut, von 
denen auch einigen Ortschaften in der Nähe der Stadt Wasser zugeführt wurde. Auch 
die alten Wasserleitungsanlagen in Schwabach wurden 1715 bis 1717 von einem Markgrafen 
von Ansbach errichtet. 
Von den 27969 bayerischen Ortschaften, welche anfangs 1928 eine vollständige oder 
teilweise Wasserversorgung durch Leitungsanlagen hatten, haben 23461 Angaben über 
die Bauzeiten gemacht. Darnach sind in 2713 Orten vor und um 1850, in .8087 Orten 
zwischen 1850 und 1900 und in 12661 Orten seit 1900 Wasserleitungsanlagen gebaut 
worden. Bei den vor und um 1850 erstellten Leitungen handelt es sich in der Hauptsache 
um kleine, einfache Laufbrunnenanlagen, vielfach nur für einzelne Anwesen und mit 
Holzrohren gebaut. Von den in Betracht kommenden 2713 Orten liegen.l 190 in Nieder- 
bayern, 658 in Oberbayern und 363 in Schwaben;. hier waren die Gebirgsquellen des 
Bayerischen Waldes und der Alpen besonders günstig für die Anlage solcher Leitungen. 
Die große Entwicklung im Bau der modernen Wasserleitungen begann erst seit der Mitte 
des vorigen Jahrhunderts, 
Was zunächst die Wasserleitungsversorgung der kreisunmittelbaren Städte be- 
trifft, so machten den Anfang Würzburg und Bayreuth. In, Würzburg wurde die erste 
Wasserleitungsanlage 1856 gebaut; zwei‘ weitere Anlagen folgten erst viel später, 1892 und 
1899. Bayreuth erstellte die erste seiner vier Leitungen 1859/61, die anderen drei 1877/80, 
1890/91 und 1908/10. 
Die Wasserleitungen für die übrigen kreisunmittelbaren Städte wurden in den folgen- 
den Zeitabschnitten gebaut; diejenigen Städte, bei denen der Neubau mehrerer Wasser- 
leitungsanlagen in Betracht kommt, sind mit entsprechendem Vermerk der späteren Bau- 
zeiten im Rahmen desjenigen Dezenniums aufgeführt, in dem die erste Anlage zur Ausfüh- 
rung gelangte: 
1860-—1869: Schweinfurt, Kitzingen, Neustadt a. d. Haardt und Kulmbach (zwei weitere 
Anlagen 1870 und 1900}.
	        
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