Object: Kann das Geld abgeschafft werden?

8. Kapitel. 
Die Abschaffung der Geldhortung. 
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Nicht genug damit, daß man wähnte, das Geld nur als 
Rechnungseinheit oder nur als Zahlungsmittel beseitigen zu können, 
noch an anderer Stelle hat man mit den Reformvorschlägen ein- 
gesetzt: man will die Geldhortung, seine Aufspeicherung unter- 
binden. Das Geld — so glaubt man —, insbesondere das schöne, 
blanke Metall brauche nur aus dem Topf oder Strumpf heraus- 
geholt und ins Rollen gebracht zu werden, um alle seine Schatten- 
seiten verschwinden zu lassen. Am meisten hat durch solche 
Gedanken und Pläne Silvio Gesell von sich reden gemacht, als 
Verfasser mehrerer Bücher und Schriften (vgl. das Quellenver- 
zeichnis), Führer der Freiland-Freigeld-Bewegung und gewesener 
Finanzminister der Münchener Räterepublik vom April 1910. 
Gesells Pläne sind „begründet auf der Erkenntnis, daß einer- 
seits der Austausch nur solange ungestört von statten gehen kann, als das 
Tauschverhältnis zwischen Waren und Geld (Preis des Geldes) unverändert 
oleibt; daß andererseits irgend eine Ware — und demnach auch das Geld (!) 
— nur solange einen über Ort und Zeit hinweg festen Preis haben kann, als 
wie auf irgend eine Weise ein dauernder Ausgleich zwischen Nachfrage und 
Angebot in der betreffenden Ware künstlich erzwungen wird ... Darum 
'ordert die Geldreform: Anschmiegung des Geldangebots 
‘nicht mit Geldproduktion zu verwechseln) an die durch das fortlaufende 
Angebot von Waren vertretene Nachfrage nac hGeld, um auf diese 
Weise .. den festen Preis zu erzwingen‘ (Verwirklichung, S. 86). Die 
Schwankungen der Güterpreise erklären sich nach Gesell aus dem unregel- 
mäßigen, „dem Zufall, den Spekulanten, Wucherern, Kapitalisten und Privat- 
interessen überlassenen Angebot von Geld‘ (ebenda, S. 86/87). Das mangelnde 
Angebot wieder hat seinen Grund darin, daß das Geld gehortet werden kann, 
Die Eignung des Metallgeldes — Gesell nennt es „Übergeld‘, ‚„‚Sonntags- 
geld“ — zum Sparmittel steht seiner Benutzung als Zahlungsmittel ent- 
gegen: „Das Vieh war, als Ware betrachtet, ein schlechtes Tauschmittel 
(Geld); als Tauschmittel betrachtet, war es besser als das Gold‘“ (ebenda, 
3. 77\. Denn das Vieh unterliegt, wie jedes andere Genußgut, bei längerer 
Aufbewahrung dem Verderb; nicht so die Edelmetalle, die doch gerade, SO- 
weit sie Geld sind. in ständigem Umlauf befindlich sein sollen. Durch ihre
	        
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