Full text : Die drei Nationalökonomien

292

2. wo wirtschafiliche, das heißt seelisch-geistige Erscheinungen
an die Natur angrenzen: Ermüdungserscheinungen — „Tests“
— Rasseeinflüsse;
3. wo wir den Sinn seelisch-geistiger Vorgänge noch nicht verstehen:
 Parallelität zwischen Preisbildungen und Selbstmorden
— Konjunkturkurven.

Aber die erst recht brennende Frage ist nun die dritte: sollen
wir auch dort, wo wir nicht müssen, also dort, wo wir verstehen,
gleichwohl — aus freien Stücken — das naturwissenschaftliche Verfahren
 in der Nationalökonomie anwenden? Die Antwort auf diese
Frage enthält dieses ganze Buch: sie lautet natürlich mit aller Entschiedenheit:
 nein. Nicht aus irgendeiner dogmatischen Voreingenommenheit
 heraus erteile ich diese Antwort — warum sollte die
verstehende' Methode meinem Herzen näherstehen als die bloß ordnende?
 —, sondern aus der wohldurchdachten Erwägung heraus,
daß wir bei einem. Verzicht auf die, verstehende Methode unnötig
den Bereich unserer Erkenntnis einengen und diese in unerwünschter
Weise verflachen. Wir erkennen nun einmal tiefer, wir erkennen
mehr, wenn wir verstehen, als wenn wir bloß ordnen. Wie gern
würden die. Naturforscher die Vorgänge in der Natur verstehen!
Weil sie es nicht können, müssen sie sich mit der bloßen Ordnung
begnügen. Und wir sollten freiwillig auf diese tiefere Erkenntnis
verzichten? Ein höchst sonderbarer Gedanke.
Vielleicht wäre man ihm aber auch gar nicht verfallen, wenn man
schon früher den Sinn eines Verfahrens richtig erkannt hätte, dessen
Nützlichkeit für die Zwecke nationalökonomischer Wissensbildung
außer Zweifel steht und das man nur in einen naturwissenschaftlichen
 Erkenntniszusammenhang glaubte einordnen zu können, während
 es sehr wohl auch — ja gerade — im Rahmen einer verstehenden
 Nationalökonomie Verwendung finden kann; ich meine das Verfahren
 der Bildung rationaler Schemata. Dadurch, daß man
diese Schemata, die zuweilen die äußere Form von Naturgesetzen
annehmen, für solche gehalten hat, hat man ihren Sinn in Unsinn
verkehrt und hat die ganze nationalökonomische Forschung am
falschen Ende angefaßt. Ich versuche im nächsten Kapitel, wo ich
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.