thumbs: Die Entwickelung zum Socialismus

Macht, unmittelbar oder durch Vermittelung des Staates 
allen Künstlern, die keine anderen Unterhaltsmittel .haben, 
Gesetze zu dictieren: sie müssen ihr dienen oder Hungers 
sterben. 
Das erklärt auch sowohl die Mittelmässigkeit derer, 
die sich unterwerfen, als die Erbitterung der anderen, 
die sich aufbäumen; denn allen Künstlern, die sich durch 
persönliche Hilfsquellen oder dadurch, dass sie sich harte 
Entbehrungen auferlegen, eine gewisse Unabhängigkeit 
gesichert haben, ist die tiefwurzelnde Abneigung gegen die 
bourgeoise Tyrannei und die bourgeoisen Ideale ge 
meinsam. 
Eine Gruppe schöpft aus dieser Abneigung Kraft 
und zwingt der Empörung grosse Werke ab. So schrieb 
Balzac die Comédie humaine, spie Flaubert den 
lärmenden Junisiegern des Jahres 1848 seine Verachtung 
ins Antlitz, brandmarkte Victor Hugo das zweite Kaiser 
reich, schuf Zola seinen Germinal. 
Eine zweite Gruppe treibt der Ekel aus der Gegen 
wart in den Elfenbeinturm der Elitedichter, sie singen, 
wie Mallarmé, das Lied von der romanischen Décadence, 
setzen sich „auf alle Kreuzwege, wo man dem Leben den 
Rücken wendet“, oder flüchten in die Vergangenheit und 
suchen in den grossen Jahrhunderten des Christentums 
die Inspiration, die ihnen die moderne Welt schuldig 
bleibt. 
Und wieder andere, deren Zahl von Tag zu Tag 
wächst, suchen eine Stütze in der erwachenden Massen 
psyche und verkünden, mit Wagner, den nahenden Sieg des 
Bundes der Kunst mit der Revolution. Doch wie schön, 
wie erhaben ihre Werke auch sein mögen: sie sind nur 
Vorläufer, können nichts anderes sein. Damit eine neue 
Kunst erblühen kann, eine Kunst, gross und machtvoll 
wie die Menschheit selbst, muss die Menschheit nach 
dem Kampf Frieden, nach rastloser Arbeit Musse, nach
	        
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