nicht mit uns überein, dass ein solcher Gedanke niemals
im Hirn irgend eines socialistischen Theoretikers gelebt
hat.
Die Leser der Revue des Deux-Mondes mögen sich
beruhigen: die Victor Hugo der Zukunft werden keiner
Fabrikordnung unterworfen sein, und die Shakespeare des
XX. Jahrhunderts werden — wenn sie sich nicht
besser ernähren können — immer noch auf der Bühne
kleiner Matrosentheater ihr Leben fristen können. Und
man darf sogar hoffen, dass die Astronomen, Dichter,
Mathematiker und Philosophen unter socialistischer Herrschaft
nicht wie Galilei ins Gefängnis gesperrt, wie
Dante verbannt, wie Archimedes getötet, wie Sokrates
vergiftet werden. Wirklich — um ernsthaft auf einen ernsthaften
Einwand zu antworten —, Leuchten der Philosophie,
wie Fouillée brauchten sich nicht zu bemühen, um
zu beweisen, was selbst der beschränkteste Collectivist
nie bestritten hat : dass Philosophie und Kunst vor allem
der Freiheit, der ungehemmten Entwickelung bedürfen.
Die Frage ist einfach, ob Dichter, Philosophen und andere
uneigennützige Geistesarbeiter in einer socialistischen Gesellschaft
nicht ebenso viel oder sogar mehr wirkliche Freiheit
haben würden, als jetzt.
Es ist doch klar, dass keine Gesellschaftsform der
Kunst und Philosophie ungünstiger sein kann, als der
Classenstaat der Bourgeoisie, die ganz in Geld und Profitinteressen
aufgeht.
Wenn auf den Ruinen der Vergangenheit, auf dem
schwankenden Moorgrunde der Gegenwart, auf verwitterten
Trümmern und auf Gipfeln, von denen schon die
Strahlen der aufsteigenden Morgenröte die kommende
Zukunft ahnen lassen, trotz alledem die Kunst weiterblüht,
so dankt sie diese Blüte einem Trieb, der ebenso unaufhaltsam
ist, wie die Keimkraft der Pflanze in altem Gemäuer,
in den Fugen des Pflasters, in der kümmerlichen
Ackerkrume des dürrsten Bodens. Aber trotz dieser un-Vandervelde:
Die Entwickelung zum Socialismus.
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