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speicherfond von 3 Millionen, dann noch ausserdem von 2 Millionen
ausgeworfen hat, um dahingehende Associationen durch Vorschüsse zu
unterstützen, und seitdem sind bereits eine grosse Zahl von bedeutenden
Kornspeichern meist mit Silos, — das sind hohe, turmartige Gelasse, in
denen das Getreide nicht in dünnen Schichten ausgebreitet, sondern
in hohen Säulen luftdicht abgeschlossen ist —, errichtet. In Bayern sind
dagegen eine grössere Zahl kleinerer Lagerhäuser aufgeführt; ähnlich
in Pommern, wo das mehr dezentralisierte System gegenüber dem
zentralisierten in den übrigen preussischen Provinzen acceptiert ist.
Die Kornlagerhäuser können naturgemäss eine hohe Bedeutung
erlangen, indem sie 1. den Landwirten gestatten, darin unter ange-
messener Behandlung ihr Getreide aufzubewahren, um es erst dann zu
verkaufen, wenn angemessene Preise zu erzielen sind.
2, indem die Landwirte anf Grund der deponierten Mengen
Darlehen erhalten, um so leichter den Verkauf hinaus schieben zu
können.
3. und das ist der Hauptzweck, durch die Vereinigung grösserer
Mengen gleichartigen Getreides den Absatz zu erleichtern und sich vom
Zwischenhandel zu emanicipieren.
4. Hofft man ferner von vielen Seiten, einen Einfluss auf die
Preise durch Zurückhaltung überschüssiger Mengen auszuüben. Dieser
letztere Punkt kann aber indessen nur erreicht werden, wenn ausser-
ordentlich grosse Quantitäten beherrscht werden, das ist in Deutsch-
land nun thatsächlich nicht der Fall. Selbst bei dem Roggen nimmt
man an, dass nur von Deutschland etwa 5%, des in den Weltverkehr
xommenden Quantums geliefert wird. Bei dem Weizen ist es ein noch
viel geringerer Prozentsatz, so dass es völlig unwesentlich ist, ob hier-
von ein Teil künstlich zurückgehalten wird oder nicht. Auf den
Weltmarktpreis kann es jedenfalls einen Einfluss nicht ausüben, und
ein einmütiges Zusammenwirken der Landwirte ist nicht einmal bei
den Grossgrundbesitzern in Preussen zu erwarten, geschweige denn bei
den Bauern in dem übrigen Deutschland.
Das Grundprinzip der Kornspeicherassociation geht, wie erwähnt,
dahin, das Getreide nur in Kommission zu nehmen zur Sammlung in
grösseren Mengen, Gradierung nach Qualitäten . von gleicher Be-
schaffenheit und Absatz auf Grund der Bestimmung des Besitzers.
Dies wird aber nur angemessen durchzuführen sein, wenn das ein-
zelieferte Getreide einigermassen gleichartig ist, um demnach eine
tungible Waare zu erhalten, welche in die Masse hineingeworfen in
aatura nicht wieder zurückzuverlangen ist, und für welche auf Quali-
‚ätspreise verzichtet wird. Schon in Amerika schliesst dieses Miss-
stände ein, da mitunter bis 30 verschiedene Qualitäten unterschieden
werden müssen. In Deutschland liegen hier noch viel grössere
Schwierigkeiten vor, da hier nicht wie dort auf eine Gleichartigkeit
des Saatgutes in ganzen Distrikten geachtet wird, und die Behandlung
des Getreides eine ausserordentlich verschiedene ist, namentlich wo der
bäuerliche Besitz überwiegt. Da es sich nun als unmöglich erweist,
jede verschiedene Qualität besonders zu lagern und zu behandeln, um
für sie besondere Preise zu erlangen, so haben sich die grossen Korn-
speichergenossenschaften vielfach genötigt gesehen, das eingelieferte
Getreide seinem speziellen Werte nach zu schätzen und einfach dement-