42 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation.
baren und geregelten Wirtschaft des kleinen Kreises trat nun ohne
Übergang die vielfach planlose der damaligen Welt, während, wie
wir sahen, auch ganze Reiche nach dem alten System wirtschaften
konnten (S. 8). Luxus und Bildung hoben sich allgemein, frei
lich wuchs auch vielfach die Menge der Entrechteten. Die neue
Wirtschaftsordnung entsprach in erster Reihe den Bedürfnissen des
Weltkaufmannes, sie brachte dem Landwirt, dem Handwerker, dem
Lohnarbeiter, aber schließlich auch dem Industriellen viel Leid und
Elend.
Im 7. Jahrhundert wurde, wie es scheint, in Lydien, eine wich
tige verkehrstechnische Erfindung, die der Münze gemacht, die zu
nächst keine wesentliche Änderung des Wirtschaftslebens im Gefolge
hatte. Ihre Bedeutung erlangte sie eigentlich erst in der modernen
Entwicklung. Die wichtigsten Umwälzungen waren bereits im Orient
schon seit langem, in Griechenland erst seit kurzem erfolgt, sie waren
an die Einführung eines allgemeinen Tausche und Zahlungsmittels,
an das Überwiegen von Verträgen, die die Leistung einer bestimmten
Menge des Zahlungsmittels festsetzten, geknüpft, wozu die Erfin
dung der Münze, wie wir oben sahen, nicht nötig war. Die
neue Erfindung ersparte vielfach Wage und Probierstift, da der
Staat Feingehalt und Gewicht garantierte, was nicht viel bedeu
tete, da es bei den größeren Geschäften weit weniger Mühe machte,
die Edelmetalle als die zu kaufende Ware zu prüfen, im Klein
verkehr kommt man aber mit Wage und Stift schließlich aus, wie
heute noch manche außereuropäischen Märkte beweisen. Bei jedem
größeren Betrag mußten aber die Münzen ebenso wie heute ge
prüft werden, da Fälschungen vorkamen. Die Wirtschaftsordnung
des Orients stand aus einer höheren Stufe als die Griechenlands,
obzwar man dort mit Barren rechnete, und es änderte sich denn
auch nichts wesentliches, als an die Stelle der Barren Münzen
traten, was nur sehr langsam geschah, weil die orientalischen Handels
völker sich gar nicht beeilten, die Münzen einzuführen, deren Vor
teile sie nicht hoch einschätzten. Der nächste Fortschritt, der nicht
mehr verkehrstechnischer, sondern wirtschaftlicher Art war, bestand
darin, daß derStaat seinen Stempel auf nicht vollwertige
Münzen setzte, wodurch man sich dem modernen Geldwesen
näherte. Die Antike hat den Schritt zur Prägung nicht voll
wertiger Münzen früh genug gemacht, aber im allgemeinen nur
zu rein fiskalischen Zwecken. Nur gelegentlich schuf man wirk
liches Kreditgeld, indem der Staat die minderwertigen Münzen