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Rosmarinöl
Rosenquarz
pflückt, von den Kelchen befreit, mit Wasser
in die Blasen gebracht und der Destillation
über freiem Feuer unterworfen. Das überdestil
lierte ölhaltige Wasser wird in Tongefäßen über
Nacht in kühle Keller gestellt, und am Morgen
das an der Oberfläche erstarrte, als ein Häut
chen abgeschiedene Öl sorgfältig abgenommen.
Das aromatische Wasser wird zu mehreren De
stillationen verwandt. Die Ölausbeute ist sehr
von der Witterung abhängig. Bei warmem
Wetter wird am wenigsten, bei kühlem beträcht
lich mehr erhalten. 3000 kg Rosen sollen 1 kg
Öl geben, eine Angabe, die sehr wenig glaub
haft ist, denn zur Herstellung von 1 kg deut
schen Rosenöls, das aus derselben Rosenart
gewonnen wird wie das bulgarische, sind 5000
bis 6000 kg Blüten erforderlich. Im Hinblick
auf den hoben Preis des Rosenöls sind Ver
fälschungen außerordentlich lohnend und häufig.
Grobe Zusätze von fetten Ölen, Paraffin, Walrat
und Alkohol sind leicht, solche von Geranium
oder Palmarosaöl aber 'nur durch eingehende
Analyse, Bestimmung des spez. Gew., der Dre
hung, des Erstarrungspunktes usw. nachzuweisen.
Das echte R.-Öl ist weißlichgelb bis grünlich
und von durchdringendem, anhaltendem Rosen-
geruch. Bei mittlerer Temperatur dickflüssig,
erstarrt es bei etwa 17—21 °C teilweise oder
ganz infolge seines reichlichen Gehaltes an Stea-
ropten. Das spez. Gew. beträgt 0,855—0,870
bei 20°, die Verseifungszahl 7—16. R. besteht
aus einem festen und einem flüssigen Anteil.
Der feste Anteil, das Stearopten, setzt sich aus
mehreren Paraffinen zusammen, während der
flüssige, das Elaeopten, eine ganze Reihe der
verschiedensten Verbindungen enthält, von denen
als die wichtigsten genannt seien: Geraniol,
Zitronellol, Nerol, Phenyläthylalkohol, Geranyl-
azetat und Nonylaldehyd, Hauptbestandteil ist
Geraniol. Der Kleinvertrieb des Öles geschieht
in geschliffenen und vergoldeten Glasfläschchen,
auf die es in Konstantinopel abgezogen wird,
während zur Versendung im großen flache,
zinnerne, mit Filz überzogene Flaschen von
V2—3 kg Inhalt benutzt werden. — Unter den
fetten Parfümerieölen gibt es auch ein R. (lat.
Oleum rosae pingue, frz. Huile de rose, engl.
Rose-oil), das durch Mazerieren von Rosen
blättern mit Olivenöl hergestellt und zum Par
fümieren von Haarölen benutzt wird.
Rosenquarz, eine durchscheinende bis durch
sichtige Art des Quarzes von rötlichweißer bis
rosenroter Farbe, die wahrscheinlich durch einen
geringen Gehalt von Titanoxyd hervorgerufen
wird, findet sich hin und wieder in schwachen
Lagen im Granit und Gneis, am schönsten in
Sibirien, wo man ihn zu Dösen, Vasen und
größeren Gegenständen verarbeitet. In Deutsch
land findet sich das Mineral in verwertbarem
Zustande nur zu Bodenmais in Oberbayern und
Zwiesel in Niederbayern. Die Rosafarbe ist oft
von Natur sehr licht, oder verblaßt auch nach
träglich an der Luft, so daß die Ringsteine ge
wöhnlich mit einer Folie unterlegt werden.
Rosinen, getrocknete Weinbeeren, werden in
zwei Sorten unterschieden: 1. Große R., Zi-
beben (lat. Passulae majores, frz. Raisins secs,
engl. Raisins) sind die an der Sonne oder künst
lich getrockneten Beeren des Weinstockes,
Vitis vinifera, und zwar nur der zuckerreichen
Sorten des Mittelmeergebietes. Traubenrosi
nen (Tafelrosinen) sind solche mit Kämmen,
Sultaninen oder Sultan-R., von Natur kern
lose, kleinere und hellgelbe Beeren, bilden eine
stielfreie Ausleseware, Yerli oder Elemü Ware
bester Beschaffenheit. Das kleinasiatische Er
zeugnis geht als Smyrnaer R. über Triest und
Hamburg nach Deutschland, während Samos,
Kos und Kreta geringwertigere Sorten liefern.
Sehr gut, in Deutschland aber selten, sind die
großen ausgekernten Damaszener. Italieni
sche und französische R., sog. Provencer,
gehen am meisten nach England, spanische R.,
hauptsächlich von Malaga, Valencia und Ali-
kante, nach Deutschland. Lexia nennt man R.,
welche durch Eintauchen in Lauge und Ölwasser
einen besonderen Glanz erhalten, verschickt in
Töpfen auch Topfrosinen genannt werden.
Sehr bedeutend ist seit einigen Jahren die Aus
fuhr von Kalifornien. Die Verpackung der
R. geschieht in Kisten zu etwa 10—30 kg und
auch in Säcken zu 50 kg. — 2. Kleine R. (Ko
rinthen, lat. Passulae minores, frz. Raisins de
corinthe, engl, Corinths) heißen die getrockneten
Beeren einer kernlosen Abart des W.ein-
stockes, Vitis corinthica, die auf den Lipa
rischen und Ionischen Inseln gezogen wird. Sie
sind von dunkelpurpurroter, ins Schwarze über
gehender Farbe, sehr süß und saftreich. Man hat
tragende Stöcke von sieben Jahren an bis zu
100 Jahren. Die Beeren reifen im Juli, werden
in 8—10 Tagen gedörrt und in Fässern von 100
bis 150 kg sowie auch in Säcken und Kisten
versandt. Die kleinen R. sollen trocken, durch
scheinend, glänzend, süß und fleischig, aber
nicht modrig, dürr oder mehlig sein. Auch
dürfen sie weder säuerlich riechen, noch zu
viele Stiele enthalten. R. müssen in trockenen,
kühlen Räumen gut verwahrt werden.
Rosmarinblätter (lat. Folia rosmarini s. roris-
marini, s. Folia anthos, frz. Feuilles de Romarin,
engl, Rosemary) stammen von der bekannten
blaßblau blühenden Labiale Rosmarinus of-
ficinalis, die bei uns nur in Gärten und Töpfen
gezogen wird, in den Mittelmeerländern aber auf
felsigen, sonnigen Abhängen, stellenweise in un
geheurer Menge, wild wächst. Der immergrüne,
bis 2 m hohe Strauch trägt sitzende, stumpf-
lanzettliche Blüten von lederiger Oberhaut, die
oben dunkelgrün und glatt, unten weißfilzig er
scheint. Das Kraut besitzt einen stark würzigen
Geruch, sowie bitterlichen, kampfer- und ter-
pentinähnlichen Geschmack, der durch das Trock
nen schwächer wird und auf der Anwesenheit
von ätherischem Öl beruht. Medizinisch dient
es nur äußerlich als aromatisches Mittel zu stär
kenden Bädern, zerteilenden Umschlägen und
R äu ch ersp ezies.
Rosmarinöl (lat. Oleum rosmarini seu roris-
marini, Oleum anthos, frz. Essence de Romarin»
engl. Rosemary oil), das aus den Rosmarin-
blättern durch Destillation mit Wasser oder
Wasserdampf gewonnene ätherische Öl, das den
Geruch der Blätter in erhöhtem Grade besitzt»
gelangt aus Dalmatien, Südfrankreich und Sp 3 '
nien in den Handel und wird daher als dalma
tinisches (italienisches), französisches , und sp 3 '
nisches R. unterschieden; das französische R