Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 361 
dem Rest der slawischen Bevölkerung günstige Verhältnisse ge— 
bildet, ganz abgesehen davon, daß das alte Milzienerland, etwa 
die heutige sächsische Oberlausitz, mit geringer Unterbrechung 
bis zum Jahre 1638 nicht zu den thüringisch-meißnischen Erobe— 
rungsgebieten, sondern zum Reiche Böhmen gehört hat. Eben 
hier, im Lande Bautzen (Budissin), bestehen noch heute, wie im 
benachbarten preußischen Spreewalde, Reste slawisch sprechender 
Bevölkerung. 
Aber auch in den deutscher Herrschaft dauernd unter— 
worfenen Gebieten vom Thüringerwald bis zur Elbe und darüber 
hinaus hielt sich noch lange ungebrochen das slawische Wesen. 
Als aristokratische Eroberer waren die Deutschen hier ein— 
gedrungen in die teilweis waldlosen Flächen der Flußebenen, die 
allein die Slawen besetzt hatten. Sie hatten hier die alten 
Bebauer in ihren Dörfern gelassen als mehr oder minder hörige 
Massen, über ihre Köpfe hinweg hatten sie die Burgwartsverfassung 
der alten Marken aufgerichtet, und nur wenige der Slawen 
hatten sich zu höherer gesellschaftlicher Wurdigung, zu Teil⸗ 
nehmern vornehmlich an der kriegerischen Besatzung der Burg⸗ 
warte emporgeschwungen. · Nun ward zwar, was im Lande 
noch als Obkina unbesiedelt lag, vielfach an die eingewanderten 
deutschen Krieger verteilt — aber auch dies Land wurde zumeist 
wohl an Slawen, weniger an Deutsche zur Besiedelung aus⸗ 
gethan; und so erstreckte sich seit dem 10. Jahrhundert ein mehr 
flawischer als deutscher Anbau langsam die Thalränder der 
tiefeingebuchteten Flüsse hinauf zu den Höhen des Erzgebirgs. 
Die eigentlich germanisierende Macht dieses Zeitalters unter 
den Sorben aber war und blieb bis tief ins 12. Jahrhundert 
hinein die Kirche. Ein deutscher Klerus zog ein; spärlich ver⸗ 
leilte Mutterkirchen! entwickelten um sich herum bis auf die 
Entfernung vieler Meilen einen Kranz von Kapellen in Wald 
und Feld, und von allen Altären segneten deutsche Priester. 
In die größeren Orte des Landes aber zog neben der kriege— 
1So war in Plauen ursprünglich die einzige Kirche für zehn Ge— 
oiertmeilen im Umkreis.
	        
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