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vom Genfersee bis nach Martigny bildet die schattige
Edelkastanie ganze Bestände. Im innern Wallis dehnen
sich auf der bebauten Talsohle von Martigny bis nach
Brig hinauf die Maisfelder aus. Gegenüber anderen
Landschaften der Alpen hat das Wallis einen stark ver
breiteten Getreidebau, der neben dem Weinbau an den
Felshalden und auf der Sohle des untern Rhonetales
vorherrscht, aber bis zur Meereshöhe von 2000 m vor
dringt. Die höchstgelegenen Weizen- und Roggenfelder
bringen in ärmlichem Wuchs nur noch kurze Halme und
magere Ähren hervor. Oft vermögen die Körner vor
dem Einwintern kaum zu reifen; das Getreide wird dann
geschnitten und auf Holzgerüsten zum völligen Ausdörren
ausgebreitet. — Ebenso sind im obersten Tessintal und
in höhern Lagen Bündens die Dörfchen und einzelste
henden Hütten mit den „Korngalgen" umstellt, an denen
das Korn ausreifen soll. — Der Getreidebau lohnt hier
längst nicht mehr; er wird hauptsächlich noch betrieben,
weil die Bevölkerung von alters her bestrebt ist, sich mit
allem Nötigen selbst zu versorgen. Wie für den Weinstock
und das Getreide, so steigen im Bereich der Massener
hebung der Walliser Alpen die Höhengrenzen überhaupt
zu ungewöhnlicher Höhe an, wie dies früher für die
Wald- und Schneegrenze und für die Lage der obersten
Alphütten gezeigt wurde. Die oberste Sennhütte steht
bei 2665 m auf der Alp de Lona im Val d'Hörens; am
Abhang des Jllhorns, nahe der Waldgrenze, stehen bis
1936 m die sonnengeschwärzten Holzhäuschen von Chan-
dolin, dem höchstgelegenen Kirchdorf im Wallis.
Die Dörfer des Rhonetales wurden, zum Schutz
vor den Verwüstungen der Rhone, meist am Rande der
Talebene in etwas erhöhter Lage angelegt. Die größten
stehen auf den Schuttkegeln der Seitenbäche, wo sie zu
gleich den Verkehr ins Seitental hinein beherrschen. Die
sonnige Talseite wird, eine im Gebirge bekannte Er
scheinung, als Wohnfläche bevorzugt; der Wald erscheint
hier gegenüber der Schattseite stark zurückgedrängt. Ein-
Höhengrenzen.
Dörfer