918 Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.
ström durch den Apparat und schüttelt den Tiegel öfter um. damit sich die Sub
stanz gut mit der Schwefelsäure vermischt. Die Zersetzung ist beendet, sobald an
der Einmündungsstelle des Glasrohres in den Aspirator kein saurer Geruch mehr
auftritt. Länger als 24 Stunden wird eine Untersuchung nur selten dauern. Das Ätz
röhrchen wird sodann auf eine Saugflasche gesetzt, das eingeschliffene Glasrohr ab
genommen und werden 200 ccm zum Sieden erhitzte 25°/ 0 -ige Kalilauge durch das
Röhrchen gesaugt; hierauf wäscht man mit viel Wasser, etwas Alkohol und Äther
nach, trocknet ll/o Stunden bei 150° und wägt nach dem Erkalten.
1 g Gewichtsverlust entspricht 1,3132 g Fluor. Bei richtigem Gang der
Untersuchung dürfen die obersten Glasperlen nicht angeätzt sein, da sonst ein
Verlust an Fluor zu befürchten wäre.
7. Beschädigung durch Asphaltdämpfe. Eine Beschädigung der Vegetation
durch Asphaltdämpfe ist früher von H. Alten und W. Jännicke 1 ) und später von
P. Sorauer * 2 ) beobachtet worden. Dieselbe ist nach letzterem gekennzeichnet durch
eine schwarze Verfärbung des Laubes, wie sie bisher bei keiner anderen Rauch-
heschädigung beobachtet worden ist. Mitten in den Interkostalfeldern — seltener
vom Rande her — treten braune bis schwarze Flecken auf; die Substanz der
Flecken stirbt ab und durchweg verdorrt das ganze Blatt. Äußerst kennzeichnend
ist, daß zuerst die obere Epidermis leidet. Bei plötzlicher starker Einwirkung fallen
die Zellen ohne Inhaltsfärbung völlig zusammen und kleben als Schicht den Palis-
sadenzellen auf; die Oberhaut wird durch die Asphaltdämpfe angeätzt. Bei lang
sam wirkendem Dampf wird aber auch hier Gerbstoff in den Zellen niederge
schlagen. Nach Haselhoff und Lindau (1. c. S. 317) hat man daher bei Pflanzen
beschädigungen durch Asphaltdämpfe in erster Linie sein Augenmerk auf die
gerhstoffreichen Blätter (wie Rosen, Kastanien) zu richten. „Gerbstoffniederschläge
in den Epidermiszellen oder völliger Verfall derselben, Abschilfern der zum Schutze
des bloßliegenden Mesophylls gebildeten Wundkorklagen: das sind die leicht erkenn
baren und mit keiner anderen Rauschbeschädigung zu verwechselnden botanischen
Symptome der Asphaltvergiftung.“ Durch die chemische Untersuchung läßt sich
diese Beschädigung nicht nachweisen.
Alten und Jännicke 3 ) suchen die Niederschlagung der Gerbsäure in den
Rosenblättern durch die Anwesenheit löslicher Eisensalze in den Asphaltdämpfen
zu erklären. Da aber solche Eisensalze in Asphaltdämpfen nicht vorhanden sind,
so muß die Erscheinung wohl auf einer Ätzwirkung durch die Asphaltdämpfe selbst
beruhen. Es kann aber sein, daß die einzelnen Asphalte sich in etwas verschieden
verhalten, da die zuerst sich entwickelnden Destillationserzeugnisse am schädlichsten
wirken.
8. Beschädigungen durch sonstige Dämpfe und Gase. Wie Asphalt- wirken
auch Teerdämpfe schädlich auf die Pflanzen. Auch hier ist der Nachweis nur
durch die botanisch-mikroskopische Untersuchung zu führen. Nach Haselhoff und
Lindau (1. c. S. 300) sind „die durch Teerdämpfe beschädigten Blätter vielfach
bräunlich glänzend (wie lackiert), später oft stumpf werdend; sie bekommen dann
braune Flecken, in denen das Gewebe abstirbt. Durch die stattfindende starke
Plasmolyse wird der Turgor der Blätter vernichtet; Blätter und Stengel sinken
schlaff herab. In den Zellen findet häufig eine Auflösung der Chlorophyllkörner
und Entmischung des Plasmas unter Auftreten von gelblichen oder bräunlichen
9 Zeitachr. f. Pflanzenkrankheiten 1891, 156, und 1892, 33.
2 ) Ebenda 1897, 10 und 84.
3 ) Botanische Zeitung 1891, 49, 195 und 649.