Full text: Die deutsche Kali-Industrie 1930

Deutsche Solvay-Werke, Actien-Gesellschaft, Bernburg 
Sitz der Verwaltung: Bernburg, Köthensche Straße 1. 
Gründung: 
Die Gründung erfolgte am 22, August 1885 mit 
einem Grundkapital von M. 10000 000.—, 1904 wurde 
das Kapital auf M. 40 000 000.—, 1920—1922 auf ins- 
gesamt M. 500 000 000.— erhöht. Am 30. Dezember 
1924 erfolgte die Umstellung auf Reichsmark (durch 
Zusammenlegung 20:3) auf Rmk, 75 000 000.-—. 
Heutiges Aktienkapital: 
nom Rmk. 75 000 000.— in 74988 Stücken zu je Rmk. 1000,—, 
120 Stücken zu je Rmk. 100.—. 
Das Unternehmen ist kapitalmäßig verflochten mit Seinem Mutterhause Solvay & Cie., Brüssel, das die 
Mehrheit der Aktien besitzt. 
Gegenstand des Unternehmens: 
Fabrikation von Natron-, Kali- und Chromsalzen; 
Gewinnung, Verarbeitung und Vertrieb der zur 
Fabrikation genanter chem. Produkte dienenden Roh- 
stoffe, sowie der aus obiger Fabrikation sich er- 
gebenden Rückstände, und zwar selbst dann, wenn die 
Gesellschaft diese Fabrikation nicht selbst betreibt; 
Betrieb von Kali-, Steinsalz-, Braunkohlen- und 
Steinkohlenberg werken. 
Vorstand: 
Ernst Eilsberger, Dr. jur., Geh. Regierungsrat a.D., Karl Hornung, Dr. Ing. €. h., Berg-Assessor, Berg- 
Bernburg; werksdirektor, Bernburg, 
Aufsichtsrat: 
Louis Solvay, Ingenieur, Brüssel; 
Baron Emanuel Janssen, Brüssel: 
Emil Tournay, Advokat, Brüssel: 
Aufbau des 
Betriebsverhältnisse und Produktion: 
Die Deutsche Solvay-Werke A.-G. ist im Jahre 
1885 gegründet worden. Hervorgegangen ist sie aus 
den deutschen Filialen der Kommanditoesellschaft 
Solvay & Cie. im Brüssel. 
Die erste Sodafabrik, die Solvay & Cie. in 
Deutschland, seit 1880, besaß, war die Fabrik in 
Wyhlen. Es folgten Sodafabriken in Bernburg: (diese 
Stadt wurde als Sitz der neu gegründeten Deutsche 
Solvay-Werke A.-G. bestimmt), sodann die Soda- 
fabriken in Saaralben und Chäteau-Salins in 
Lothringen, die Elektrolytische und Aetznatronfabrik 
in Osternienburg in Anhalt. 
Die Sodafabrik in Rheinberg am Niederrhein, die 
Aetznatronfabrik in Würselen bei Aachen und die 
Aetznatronfabrik in Bernburg sind erst in diesem 
Jahrhundert hinzugekommen. 
Die Werke in Saaralben und Chäteau-Salins, 
ebenso auch die Steinsalz- und. Sodawerke G. m. b. H. 
Hohensalza, die von der Gesellschaft kontrolliert 
wurde, sind infolge des Vertrages von Versailles ver- 
lorengegangen. 
Die Aetznatronfabrik in Osternienburg wurde vor 
kurzem stillgelegt; ihre Produktion ist auf die Aetz- 
natronfabrik in Bernburg übergegangen. 
An Bergwerkunternehmen besitzt die 
Deutsche Solvay-Werke A.-G. das Kali- und Stein- 
salzbergwerk in Solvayhall bei Bernburg, das Braun- 
kohlenbergwerk in Osternienburg, eine Beteiligung an 
der Braunkohlengrube Georg bei Aschersleben und 
eine in ihrem Ausbau und ihrer Entwicklung zunächst 
angehaltene umfangreiche Bergwerksanlage auf dem 
inken Ufer des Niederrheins, Borth-Wallach im 
Kreise Mörs. Die zu letzterem Berg werksunter- 
Ernest John Salvay, Brüssel; 
Emil Gielen, Dr.-Ing. e. h., ‘Direktor, Berlin-Char- 
lottenburg. 
I’nternehmens. 
nehmen gehörigen vier Schächte sind im Jahre 1906 
vegonnen und im Laufe der Jahre 1920 bis 1926 zu 
vorläufigem Abschluß gelangt, nachdem die Schächte 
Borth I und II durch Steinsalz- und Kalilager bis in 
lie Steinkohlen, der Schacht Wallach II durch Stein- 
jalz und Kali bis zum Liegenden des Steinsalzlagers 
ınd der Schacht Wallach I bis 15 m über dem Stein- 
jalz niedergebracht waren. Auf der Doppelschacht- 
ınlage Borth wird zur Zeit Steinsalz gefördert, das 
zur Versorgung der Sodafabrik Rheinberg und 
larüber hinaus für den allgemeinen Markt bestimmt 
st, während die Förderung von Steinkohle und Kali- 
salzen. noch nicht aufgenommen ist. Im Hinblick auf 
lie Sonderbestimmung des Kaliwirtschaftgesetzes, 
wonach ‚eine Ausnahme von dem Kaliabteufungverbot 
ınd die Gewährung einer Kaliquote bei Vorliegen 
nes „volkswirtschaftlichen Interesses“ zugelassen 
st, besteht begründete Aussicht auf Gewährung einer 
Saliquote für die frachtlich außerordentlich günstig 
ınd überdies fernab von den übrigen deutschen Kali- 
’evieren gelegene Bergwerksanlage am 
Niederrhein, Die Verhandlungen hierüber sind 
1och nicht abereschlossen. 
Nachdem die Gesellschaft ihre in Saaralben und 
Chäteau-Salins betriebenen Salinen durch den Vertrag 
von Versailles verloren hat, besitzt sie nur noch eine 
Saline in Bernburg. Schließlich sei noch die in Bern- 
Jurg zur Verarbeitung der Kalirückstände aus der 
Sodafabrikation eingerichtete Zementfabrik der Ge- 
sellschaft genannt, die sich indes noch im Ent- 
wicklungsstadium befindet. 
Die Zahl der Betriebsstätten der Gesellschaft 
betrug 1913: 10, in den Jahren 1925 bis 1929: 8.
	        
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