Morgan und baten ihn, die Sache in die Hand zu neh-
men. So sanierte er die Reading noch einmal, und
noch dazu in einem Panikjahr, In den acht vergange-
nen Jahren hatte die Bahn eine neue schwebende
Schuld, diesmal von 18 Millionen, kontrahiert, die
wie damals getilgt werden mußte, Als Morgan die
Reorganisation beendet hatte, behielt er die Kontrolle
über die Bahn in der Hand. Er wollte es nicht ris-
kieren, daß ein Unternehmen, das sorgfältigste Ge-
schäftsführung erforderte, in die Hände irgendwelcher
rücksichtsloser Geschäftsleute fallen sollte, und die
Aktionäre waren hierin einer Meinung mit ihm. Da
sie selbst ihre Interessen nicht wahrnehmen konnten
oder wollten, waren sie sehr zufrieden, daß Morgan
dies für sie tun wollte.
Und nach dieser Erfahrung behielt Morgan von nun
ab. stets die Kontrolle über die Eisenbahngesellschaf-
ten, die er reorganisierte, selbst in der Hand, sei es
durch stellvertretendes Stimmrecht,. sei es durch
Aktienbesitz, der eine Kontrolle ermöglichte. Auf
diese Weise und zu dieser Zeit wurde der Grund zu
der hohen Stellung, die er zuletzt einnahm, zu der All-
macht in der amerikanischen Finanz gelegt.
nr
In diesen Jahren wurde die Geschäftslage im Eisen-
bahnwesen immer schlechter. Die neuen, jüngeren
Bahnen im Westen näherten sich schnell dem Abgrund
des Bankrotts, und im Jahre 1889 machte Morgan einen
zielbewußten und neuartigen Versuch, ihnen die Not-
wendigkeit durchgreifender Reformen vor Augen zu
führen. Die Präsidenten der Bahnen im Westen hatten
eine eigene Organisation, die sich mit Poolfragen be-
schäftigt hatte, bevor die Poolbildung durch das neue
zwischenstaatliche Handelsgesetz (Interstate Com-
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