Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Weinähnliche Getränke 
478 
Weinsäure 
die meisten österreichischen und ungarischen 
Landweine gehören, enthalten meist weniger 
als 0,1 °/o Zucker. Zuckerarm nennt man W, 
mit weniger, zuckerreich solchen mit mehr 
als 0,50/0 Zucker. Süßweine, deren Herstel 
lung unter „Tokaier" näher beschrieben ist, be 
sitzen deutlich süßen Geschmack, Südweine 
(s. Xeres, Portwein usvv.) gleichzeitig hohen 
Alkoholgehalt. Ausbruch- oder Sektweine 
werden aus geschrumpften, edelfaulen Beeren 
hergestellt. (S. Tokaier.) Schaumweine (s.d.) 
sind reich an Kohlensäure. — Die deutschen 
VV. umfassen die Rheinweine, völlig ver 
gorene, bukettreiche Weißweine, als deren 
edelste Sorten Johannisberger, Steinberger, Rü- 
desheimer u. a. gelten. Unter den Franken 
weinen nimmt der Würzburger Steinwein, 
unter den Pfälzer- und Haardtweinen die 
Wormser Liebfrauenmilch den ersten Rang ein. 
Die Moselweine, sehr beliebte leichtere und 
säuerliche Weine, umfassen von bekannteren 
Sorten den Brauneberger, Zeltinger und Pis- 
porter. Geringere Bedeutung haben die Nahe-, 
Ahr- und Neckar weine, die Elsässer und die 
norddeutschen W. Zu den meist völlig ver 
gorenen österreichischen W.gehören die vor 
züglichen niederösterreichischen Sorten, weißer 
Klosterneuburger, Mödlinger und roter Vös 
lauer, ferner mährische, böhmische und tiroler 
W. Ungarn ist berühmt wegen seiner süßen 
W. (s. Tokaier). Frankreich liefert die vor 
trefflichen roten und weißen Bordeauxweine, 
rote und weiße Burgunder und Muskateller. 
Die spanischen und portugiesischen Des 
sertweine : Xeres, Malaga, Portwein, Madeira 
sind unter ihrem eigenen Namen besprochen. 
Aus Italien und Griechenland werden haupt 
sächlich süße W.; Lacrymae Christi, Marsala, 
Samos ausgeführt. In neuerer Zeit scheinen 
auch W. aus dem Kaplande, Kalifornien und 
Australien Bedeutung zu erlangen. Das Haupt 
weinland ist Frankreich, das im Jahre durch 
schnittlich 50 Millionen Hektoliter, und zwar 
40 hl auf den Hektar, erzeugt. Demgegenüber 
stellt sich der Ertrag in Deutschland nur auf 
2—2 1 / 2 Millionen Hektoliter, das sind 13,6 hl für 
den Hektar. Von der stark ansteigenden Wein 
einfuhr, die im Jahre 1912 auf i 1 / 2 Millionen 
Hektoliter geschätzt wurde, entfiel früher die 
Hauptmenge auf Frankreich, während seit 1911 
Spanien an die erste Stelle; getreten ist. 
Weinähnliche Getränke im Sinne von § 10 des 
Weingesetzes vom 7. April 1909 nennt man alle 
alkoholischen Getränke, die, ohne Wein Vor 
täuschen zu sollen, einen Ersatz für Wein 
bieten und aus Fruchtsäften, Pflanzensäften oder 
Malzauszügen hergestellt worden sind. Zu ihnen 
gehören also in erster Linie die Obst- und 
Beerenweine (s. d.), die Malzweine (s.Mal 
tonweine) und Rhabarberwein, hingegen 
nicht Reiswein, alkoholfreie Getränke und alko 
holreiche Ersatzmittel für Branntwein. Aus 
Traubensaft oder Rosinenauszügen dürfen W. 
nicht hergestellt werden. Verboten ist die Ver 
wendung der in § 10 aufgeführten Stoffe, wie 
Alaun, Konservierungsmittel, unreiner Stärke 
zucker, Farbstoffe usw., bezüglich deren man 
das Gesetz selbst einsehen möge. Die Bezeich 
nung darf das Wort Wein nur dann enthal 
ten, wenn gleichzeitig der Ausgangsstoff an 
gegeben wird, z. B. Apfelwein, nicht aber Gelb 
wein. 
Weinbeeröl (Kognaköi, Önanthäther, lat. 
Aether oenanthicus, Oleum vitis viniferae, frz. 
Ether oenanthique, engl. Oenanthic ether) wird 
aus abgepreßter Weinhefe (Drusen, Geläger) 
hergestellt, indem man diese mit Wasser zu 
einem Brei anrührt und der Destillation im 
Wasserdampfstrome unterwirft. Das übergegan 
gene Öl wird nochmals rektifiziert und bildet 
nun eine farblose oder gelbliche, bisweilen 
durch Kupfergehalt auch grüne Flüssigkeit von 
starkem und betäubendem Weingeruch. Es ver 
leiht Spiritus in stärkster Verdünnung den Ge 
ruch und Geschmack des Kognaks, zu dessen 
Nachmachung es Verwendung findet. Da aus 
5000 kg Weinhefe nur 2—3 kg W. erhalten wer 
den, ist es sehr teuer und wird bisweilen durch 
sog. künstliches W. ersetzt. Der gebräuch 
lichste Rohstoff zur Darstellung des letzteren 
ist das Kokosfett, das nach dem Verseifen beim 
Destillieren mit Schwefelsäure und Alkohol eine 
nach W. riechende Flüssigkeit liefert. Außer 
dem wird der durch Oxydation von Rautenöl 
dargestellte Pelargonsäureäth y lester als 
Kognakessenz benutzt. 
Weinhaltige Getränke sind solche Getränke, 
die Wein enthalten, ohne Unterschied, ob diese 
Tatsache in der Benennung hervorgehoben wird 
oder nicht, also z. B. aromatisierte oder Ge 
würzweine, Maitrank, Wermutwein, 
Punschessenzen, Arzneiweine usw. Die zu 
ihrer Herstellung benutzten Weine müssen den 
Vorschriften des Weingesetzes entsprechen, 
auch dürfen sie, wenn ihre Bezeichnung die 
Verwendung von Wein andeutet, die im § 10 
verbotenen Stoffe nicht enthalten. Die übrigen 
Anforderungen sind in besonderen Aufsätzen 
besprochen. 
Weinsäure (Weinsteinsäure,Razemsäure, 
Tartersäure, lat. Acidum tartaricum, frz. 
Acide tartrique, engl. Tartaric Acid). Obgleich 
diese organische Säure zu den verbreitetsten 
Säuren des Pflanzenreichs gehört und sich 
in vielen Früchten und Blättern teils frei, teils 
an Kalk oder Kali gebunden vorfindet, so wird 
sie doch nur aus dem Weinstein im großen ab 
geschieden, da man sie aus diesem nicht allein 
in größter Ausbeute, sondern wegen der Ab 
wesenheit anderer organischer Säuren auch am 
leichtesten rein erhält. Zu ihrer Gewinnung er 
hitzt man den Weinstein mit Wasser, neutrali 
siert mit Kreide, fügt Chlorkalzium hinzu und 
zersetzt den abfiltrierten weinsauren Kalk durch 
eine genau hinreichende Menge Schwefelsäure. 
Die Lösung der freigewordenen W. wird von 
dem gleichzeitig entstandenen Gips getrennt, 
zur Kristallisation verdampft und durch mehr 
maliges Umkristallisieren gereinigt. Je nachdem 
größeren oder geringeren Grade der Reinigung 
unterscheidet man im Handel roheW. für tech 
nischen Gebrauch und reine W. (lat. Acidum 
tartaricum purum) für inneren Gebrauch, na 
mentlich, für medizinische Zwecke. Letztere Sorte 
muß frei von der der Rohware häufig noch an 
hängenden Schwefelsäure und von Blei sein, 
das von den Eindampf- und Kristallisations 
pfannen stammt. Reine W„ C 3 H2(OH) 2 (COOH)2.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.