Die Einheit der Seele.
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gemeinsam ist. Es ist bezeichnend, dass selbst Dante an diesem
Problem seinem grossen Meister entgegentritt und dass er gegen
Aristoteles die Einheit der Seele in aller Verschiedenartigkeit
ihrer Betätigungen ausdrücklich hervorhebt. Es ist vergeblich, das
Ich aus heterogenen Bestandteilen und Wesenheiten zusam mensetzen
zu wollen, da in ihm vielmehr jener erste Quell- und
Ursprungspunkt liegt, aus dem alle Verschiedenheit erst nachträglich
sich entfaltet. Zwar hat sich auch Pomponazzi dem allgemeinen
Glauben der Zeit an die Existenz gesonderter und reiner
Intelligenzen, wie sie den himmlischen Sphären als Beweger beigesellt
sind, nicht entziehen können: aber er hat daran fesigehalten,
dass sie für die Begriffsbestimmung der menschlichen
Seele und der menschlichen Erkenntnis nicht in Betracht
kommen und dass es hier vielmehr die festen und zweifellosen
Daten des Bewusstseins sind. von denen allein wir auszugehen
haben. —
Ist somit der Satz des Aristoteles, dass alle unsere Erkenntnis
sich in sinnlichen Vorstellungen bewegt oder doch nicht ohne
sie zu bestehen vermag, seinem ganzen Umfange nach gültig, so
muss, um die Grenzscheide zwischen Stoff und Form, zwischen
dem „Materiellen“ und „Intelligiblen“ zu wahren, ein anderer Gesichtspunkt
eintreten. Die sinnliche Wahrnehmung vollzieht sich
mit Hilfe eines materiellen Organs, das von den Objekten eine
stoffliche Einwirkung erfährt. Die Gegenstände werden hier gleichsam
in das physische Sein des Ich aufgenommen; der Wandel
ihrer Bestimmungen wird in körperliche Veränderungen umgesetzt.
Von dieser unmittelbaren Entsprechung und Bindung
ist die Leistung des reinen Verstandes frei. Der Intellekt ist auf
die Materie bezogen, aber er besitzt selbst kein stoffliches
Sein, kein Organ, in dem sich die Dinge abdrücken und abbilden
könnten. Er bedarf des Körpers — wie Pomponazzi dies Verhältnis
in der Sprache der Schule ausdrückt — als Objekt, nicht
als Subjekt: er fordert die sinnliche Vorstellung als den Gegenstand,
auf den seine Tätigkeit sich richtet, als den Vorwurf,
der ihm zur Bestimmung und Auflösung gegeben ist, aber er
braucht kein sinnlich-dingliches Substrat, das seine Wirksamkeit
erst ermöglichte. So hat der menschliche Verstand seinen Platz
zwischen den „abstrakten“ Intelligenzen und den Tieren, deren
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