Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

— 152 
Moment der Zeit spielt dabei keine Rolle‘“1). ‚Namentlich 
sind auch die Genußgüter nur Produkte und nichts weiter, 
Produkte, mit denen nichts anderes geschieht, als der Verkauf 
an Konsumenten. Sie bilden in niemandes Hand einen Fonds 
zur Erhaltung von Arbeitern usw., sie dienen weder direkt noch 
indirekt weiteren produktiven Zwecken. Daher entfällt jede 
Frage nach der Ansammlung von solchen Vorräten‘?). 
Wir bemerken hierzu: Böhm-Bawerk stützt seine Zins- 
theorie nicht etwa auf die Annahme, daß Arbeiter und Grund- 
herren mit künftigen Gütern, also mit Zwischenprodukten, 
noch mit irgendwelchen Versprechungen entlohnt werden. 
Vielmehr wird gerade von Böhm-Bawerk darauf Gewicht 
gelegt, daß sie mit gegenwärtigen Gütern bezahlt werden, was 
nach seiner Ansicht bedeutet, daß sie Vorschüsse erhalten, da 
die heute entlohnten Arbeits- und Bodenleistungen erst in einer 
späteren Periode genußreife Produkte liefern. Wenn irgend- 
welche produktiven Leistungen gegen zukünftige Güter, gegen 
Zwischenprodukte vertauscht werden, so erfolgt das in der 
Eigenschaft des Kapitalisten, nicht aber in der des Arbeiters 
oder des Grundherrn. Das ist in der Statik so, und auch in der 
Dynamik liegen die Dinge nicht anders. Wenn ein isoliertes 
Wirtschaftssubjekt eine neue Methode durchsetzt, so wartet 
es als Kapitalist und nicht als Arbeiter oder Grundherr. In der 
Tauschwirtschaft fallen Arbeiter und Grundherren mit den 
Kapitalisten meistens nicht zusammen, so daß erstere meist 
nur gegenwärtige Güter erhalten. Ein „Warten“ kommt für sie 
überhaupt nicht in Frage. Schumpeter hat anscheinend 
dieselbe Tatsache im Auge, wenn er schreibt, daß in der Dynamik 
den von den Unternehmern mit Kreditzahlungsmitteln ent- 
lohnten Besitzern von produktiven Leistungen der Zugang zu 
den Märkten der Genußgüter verschafft wird und daher niemand 
auf den Gegenwert seiner Leistung zu warten braucht und sich 
mit einer Forderung begnügen muß*). Dann besteht doch aber, 
so meinen wir, zwischen Statik und Dynamik kein Unterschied, 
während nach Schumpeters und Clarks Ansicht, die den 
Synchronisierungsgedanken ausdrücklich auf die Statik be- 
') Schumpeter, Entwicklung, S. 56. *) ebda., S. 57. 
»)) ebda., S. 109, 154.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.