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und Mutigerer erschienen, als in unserer Newaburg: auf seinem Antlitz,
in seiner Gebärde und Rede, in Schritt und Tritt schien er wie von
rischer Jugendkraft neu durchschossen und mit einem Glanze des Mutes
und der Hoffnung durchleuchtet und umleuchtet, daß ich alle seine kleinen
nitspielenden Zufälligkeiten, sein schon ergrautes Haar, seine durch Po—
dagra zuweilen gehemmten und gekürzten Schritte darüber vergaß. Mit
olchem Glanz und solcher Frische durchschritt er die Säle der Fürsten
und die Paläste der Knesen, jetzt schon gleich einem glücklichen trium—
phierenden Sieger. Ich habe ihn freilich mit dem Kaiser nicht gesehen
— so hoch reichte in Petersburg meine Kleinheit nicht — aber ich kann
doch zeichnen, wie er in der Gesellschaft von Prinzen und Bojaren sich trug,
wo er oft fröhliche Abende beim Teetisch zubrachte, und wo ich unter andern
mitsitzen durfte. Man kann sich kaum vorstellen, und wenn man ihn in
päteren Jahren wiedersah, konnte man seiner eignen Erinnerung kaum
trauen, mit welcher Leichtigkeit und Witzigkeit dieser ernste, strenge Mann
durch seine Gespräche und Einfälle auch die Freude schöner Frauen sein
konnte, oder vielmehr, wie schöne Frauen —DOD—
Endlich war eine große Entscheidung gekommen, die Mordschlacht
bei Borodino an der Wiäsma war geschlagen; obgleich als ein Sieg
verkündigt und mit Pauken und Trompeten und mit Geläut von gllen
Türmen gefeiert, von den Russen verloren, und bald von Jedermaͤnnig⸗
lich als eine verlorne Schlacht erkannt worden. Und nicht lange — so
erklang die Botschaft, Rostopschin hat Moskau in Flammen aufgehen
lassen, und Napoleon ist in den Kreml eingezogen.
Wenn aber die Borodiner Schlacht und der alten Hauptstadt Brand
die Herzen erschütterte und Millionen Beine und Zungen in Bewegung
setzte, stand mein Ritter fest und unerschütterlich da. Nie habe ich ihn
frischer und rüstiger gesehen als in diesen entscheidenden Wochen. Auch
daiser Alexander stand und hielt fest, wieviel auch an solcher Stellung
zezupft und gerüttelt werden mochte. Ich habe nicht mitgesessen im
innern Rat und weiß nicht, wieviel er sich auf Steins Mut und Tugend
gestützt hat; genug, trotz aller Neigungen und Senkungen nach der
andern Seite hin und trotz Napoleons Sendungen, Friede ward nicht
geschlossen, und endlich kam eine Freudenbotschaft nach der andern, daß
der große Überzieher der Völker und Durchzieher der Länder mit seinen
Heerhaufen durch Eis und Schnee einige hundert Meilen von Osten
gegen Westen die Rückreise angetreten habe. Hier stehe nun eine Er—
zählung, welche mir der Minister Graf Uwaroff nach dem Erlebnis eines
kaiserlichen Freudengastmahls gemacht hat, bei welchem Steins Mut und
Kühnheit alle Russen zum Erschrecken und zur Bewunderung hin—
gerissen hat.
Die alte Herrin und Kaiserin, die sonst so stattliche Württembergerin,
hatte sich dort auch erhoben, jetzt bei der Nachricht von dem Rückzuge