Object : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Bach.  Die  Abtrünnigen.

schied.  Stuart  Mill  wünscht  der  Sphäre  der  individuellen  Tätigkeit
so  wenig  wie  möglich  zu  nehmen:  Adolf  Wagner  wünscht  die  der
Regierung  so  viel  wie  möglich  auszudehnen.  Stuart  Mill  legt  besonderen ­
  Nachdruck  auf  die  negative  Rolle  der  Regierung,  Adolf
Wagner  dagegen  aufseine  positive  Rolle,  die  nach  ihm  darin  besteht:
„eine  umfassendere  Teilnahme  der  Masse  der  Bevölkerung  ...  an  den
materiellen  Früchten  und  an  den  Kulturgütern,  welche  die  Zunahme
der  Produktionskräfte  überhaupt  zu  erringen  erlaubt  .  .  .“,  zu  ermöglichen. ­
  Er  würde  es  ganz  in  der  Ordnung  finden,  wenn  sich  etwas
mehr  Kommunismus  in  unserer  Gesellschaft  durchsetze.  Man  muß
„die  Volkswirtschaft  aus  der  privatwirtschaftlichen  mehr  in  die  gemeinwirtschaftliche ­
  Organisationsform  hinüber  führen“  1 ),  sagt  er  an
einer  Stelle,  die  unmittelbar  von  Rodbeetus  eingegeben  scheint.  Für
ihn  jedoch  wie  für  Mill  darf  die  Eegierungstätigkeit  nicht  weiter
gehen  als  bis  zu  dem  Punkte,  wo  die  Entwicklung  der  Individualität
in  Gefahr  gerät 2  3  *  *  *  * ).
Die  praktische  Anwendung  dieser  Ideen  berührt  sowohl  die
Güterverteiluug,  wie  die  Gütererzeugung.  Hier  aber  tut  der  Staatssozialismus ­
  nichts  anderes,  als  Ideen  zu  übernehmen,  die  lange  vor
ihm  geäußert  worden  sind.
Hinsichtlich  der  Verteilung  steht  er  auf  demselben  Standpunkt,
wie  Sismondi,  den  man  bei  ihm  fast  vollständig  wiederfindet.  Keine
prinzipielle  Verurteilung  des  Profits  oder  des  Zinses,  wie  bei  den
Sozialisten;  Beibehaltung  des  Privateigentums  als  grundlegender  Einrichtung; ­
  aber  doch  eine  genauere  Anpassung  des  Einkommens  an
das  „Verdienst“ 8 );  Beschränkung  der  übertriebenen  Profite,  wie  die

*)  Überall,  wo  möglich,  müssen  staatliche  Prodnktionsunternehmungen  empfohlen
werden,  „nicht  nur  aus  jenen  spezifischen  Gründen,  welche  es  etwa
nach  der  Natur  der  einzelnen  Anstalt  rätlioh  erscheinen  lassen,
sie  zu  verstaatlichen  .  .  .,  sondern  aus  sozialpolitischen  Gründe»,
um  so  die  Volkswirtschaft  aus  der  privatwirtschaftliohen  mehr  in
die  gemeinschaftliche  Organisationsform  hinüber  zu  führen“
(Finanzwiss.  und  Staatssoz.  S.  115  s.  o.  S.  501,  Anm.  2).
*)  Ddpont-White  ist,  wie  Wagner,  Individualist,  —  was  beweist,  daß  man
Individualist  sein  kann,  ohne  deshalb  liberal  sein  zu  müssen.  „Der  Verfasser  des
Essay’s  on  Liberty  {sagt  er  in  seinem  Vorwort  zu  der  franz.  Übers,  dieses
Buches,  S.  LXXXIX)  hat  ein  lebhaftes  Gefühl  für  den  Individualismus,  das  ich  in  jeder
Hinsicht  teile,  ohne  mich  aber  gleich  ihm  über  die  Zukunft  dieses  unveränderlichen
Bestandteils  zu  sorgen  .  .  .  Der  Individualismus  ist  das  Leben  .  .  .  Aus  diesem
Grunde  ist  der  Individualismus  unvergänglich“.
3 )  Vgl.  z.  B.  Schmoller,  Offenes  Sendschreiben  an  H.  v.  Teeitschkb  (1874—1876),
Lpg.  1898.  Gegen  den  Einwurf,  daß  auf  Grund  dieses  Prinzipes  die  Zivilliste  der
Herrscher  zu  verurteilen  sei,  antwortet  Schmoller:  „daß  er  vom  Durchschnitt  der
Menschen  spricht,  und  der  Durchschnitt  der  Hohenzollern  wenigstens  war  und  ist  so,
daß  ihr  Einkommen  mir  durchaus  nicht  zu  groß  gegenüber  ihrem  Verdienst  erscheint“
            
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