399)] Die historische Grundrentenbildung in Frankreich und Deutschland. 441
teilweise wirtschaftliche, so z. B. 12151 - 1275 und 1601 -1625 große agrarische Fort⸗
schritte, dann überhaupt die Einbeziehung der Weiden, des Brachlandes, des wüsten
Landes in die Bestellung. Die im ganzen kurzen Epochen der starken Kaufpreis- und
Rentensteigerung sind zugleich die der größten landwirtschaftlichen Fortschritte, der sehr
gesteigerten Fixierung von Kapital und Arbeit in den Boden. Das Sinken des Zins⸗
sfußes von 10 auf 3—40/0 erklärt einen guten Teil der späteren höheren Bodenpreise.
Der Geldwert stand nach D'Avenel (vergl. oben S. 164) 1890 zu 1 gesetzt, 1201 - 1225
auf 4,5, also ist in heutigem Geldwert der Hektar damals 135 4,6 — 607,5; 1776
bis 1790 setzt ihn D'Avenel auf 2, also wiren 764 Francs von damals — 1528 von
heute. So bleiben für die Monopolrentenbildung in dem ganzen Entwickelungsprozeß
nur mäßige, wesentlich auf die Zeit der großen Kolonisation, dann des 16. Jahrhunderts
und Colberts beschränkte kürzere Epochen. Das schließt natürlich nicht aus, daß die
Renten⸗ und Kaufpreisbildung z. B. im Zentrum (Ile de France) eine ganz andere
vor allem neuerdings war; da stand die Rente 1890 auf 80, der Kaufpreis auf 2400,
1775 - 1790 auf 32 und 1092 Francs, 1601 - 1625 auf 20 und 400.
Für Deutschland führe ich nach Lamprecht an, daß im Trierischen vom 12. bis
ins 14. Jahrhundert der Morgen Ackerland von 181 auf 472, die Ackerhufe (von
30 Morgen) von 3489 auf 14 160 Gramm Silber stieg. Das ist wieder die Folge der
großen Kolonisations- und Aufschwungszeit, die ebenso große Arbeits- und Kapital—
verwendungen auf den Boden, als Bodenspekulation und Monopolrentenbildung bringen
mußte. Fur die Zeit von 1850 an haben wir keine ausreichenden deutschen Preis—
reihen. Einiges sei immerhin angeführt. Backhaus berechnet für den Wernigeroder Hektar
an Reinertrag: 1552/57 18,5 heutige Mark, 1741 25,8, 1880/86 112,8; Graf Görtz—
Wrisberg für seine in Hannover gelegenen eigenen Güter folgende Preisänderung:
Roggenpreis
1597 100
1644 290 120
1735 311 97
1806 500 284
—1860 1400 223
Er fügt bei, die neuere Rentensteigerung gehe darauf zurück, daß die Ernten auf
das 3—8 fache gestiegen seien. Für Schlesien, dessen Blüte durch den 30 jährigen Krieg
nicht viel berührt wurde, hat Meitzen folgende Tabelle von durchschnittlichen Hufen—
derkaufspreisen aufstellen können:
1638 –1649 2438 heutige Mark.
16650- 1675 450
1676— 16909 744
700 - 1789 1392
17402 1769 1119 J
1770 - 1805 21609 heutige Mark.
1806- 1819 2865 J
1820—2 1839 4918
I840 - 1860 9018, J
Also eine Steigerung von 1638 — 1769 um das vierfache, 1770-1860 um fast das
achtfache. Aber darin steckt die ganze Verbesserung von Gebäuden und Inventar, die
ganze Umwandelung der Agrarverfassung, eine große Anderung des Zinsfußes u. s. w.
Immer bleibt sicher gerade hier eine große Monopolrentenbildung. Schlesien ist eben
erst von 1600— 1860 definitiv und voll angebaut worden. Für die letzten 120 Jahre
wird man im allgemeinen sagen können, die Grundrente und noch viel mehr die Guts—
preise seien in Norddeutschland 1780 -1806 auf das 2—8 sache, aber wesentlich unter
dem Druck des exceptionell gewachsenen Exbportes nach England gestiegen; fie seien dann
1806 —1840 stabil geblieben oder gar stark gefallen; von da bis 1878 wieder auf das
228 fache hinaufgegangen; von 1875 bis zur Gegenwart seien sie um etwa 10 80 04.
zesunken. Aus der Fülle des Materials aus dem 19. Jahrhundert erwähne ich nur