Full text : Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 2.

Der Staat dagegen soll sich nur mit Gerechtigkeit, nicht mit
Humanität befassen (S. 407), die nur schädliche Zwangsarmenpflege
 abschaffen und nur persönliche freiwillige Armenunterstützung
 zulassen. Die Staatskirche selbst ist nicht wegen
ihrer Verbindung mit der Regierung, sondern deshalb nützlich,
weil sie „ausgedehnte Christianisirung der Familien des
Landes‘ bewirken kann.
Wir haben also in Chalmers einen eifrigen Anhänger von
Malthus und noch eifrigeren Ritter der Staatskirche, der die
Nützlichkeit ethisch religiöser Erziehung vertritt, daneben aber
im Allgemeinen im Fahrwasser der landläufigen Nationalökonomie
 schwimmt. Sein grösstes Verdienst ist, dass er in
sichtlicher . Geistesverwandtschaft mit Burke den Grundsatz
„noblesse oblige‘“ überhaupt aufstellt. So will er das englische
 Primogeniturgesetz aufrecht erhalten wissen, damit ein
steuerfähiger Grundbesitz und ein kräftiger Adel erhalten
werde: „Lasst uns nur ein Land von Intelligenz und Freiheit
sein und wir meinen, wo es Edelleute giebt, wird auch das
gemeine Volk weniger unedel sein“ (S, 369). Der Adel soll
sich seiner höheren Pflichten bewusst bleiben: „Es ist unserer
Ansicht nach weit weniger wichtig, dass der Besitz mehr ausgeglichen
 werde, als dass er, womöglich mehr als jetzt, in
eine Lage versetzt wird, in der ihm öffentliche Pflichten auferlegt
 werden — und dass folglich weniger Besitz in der Lage
einfachen und unbedingten Kigenthums ist.‘
Aber die schöne Idee, dass höhere Stellung höhere Pflichten
auferlege, wird zu einer umfassenden Reglung der schwebenden
 socialen Fragen nicht benutzt. Es bleibt bei dem unmöglichen
 Vorschlag der alleinigen Grundsteuer. Die Kirche
soll die nützliche moralische Enthaltsamkeit fördern, nicht die
ganze wirthschaftliche Welt mit dem Geist christlicher Liebe
umgestaltend durchdringen. Der arbeitenden Classe kann
nach Chalmers nur durch Lohnerhöhung geholfen werden,
welche durch Befolgung des Malthus’schen Raths und durch
Erhöhung der Lebenshaltung bei guter Erziehung erreicht
werden kann, So bestimme der collective. Wille der Arbeiter
den Lohn. gerade wie der eolleetiyre Wille der Canitalisten
            
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