Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Zweites Buch, Cap. 8. 
leben können, zu verzichten vermocht. Nie haben sie einer 
Macht, wie der des Capitals, welche diesem Ziele dient, er- 
folgreich und prineipiell den Krieg erklären können, weil zu 
viele Einzelne von der Anlehnung an diese Macht Vortheil 
haben. Die Entwicklung der socialen Verhältnisse kann ein- 
mal nicht stehen bleiben und es ist wie eine naturgesetzliche 
Nothwendigkeit, dass alle Fortschritte der Cultur zunächst 
von Minoritäten vollbracht, von diesen aber auch zunächst ge- 
nossen werden. Man kann fragen, ob das freie Bauernvolk 
Norwegens oder der bayrischen Berge mit wenig Bedürfnissen 
und wenig Beziehung zum Weltverkehr aber mit guter Nah- 
rung Aller und relativ grosser Aehnlichkeit der Lage Aller, 
der Bauern und der Arbeiter, glücklicher ist als das Handels- 
und Industrievolk der britischen Inseln. Aber ohne Frage 
wäre es keiner englischen Regierung in den vergangenen 
Jahrhunderten möglich gewesen, ihr Volk auf die Zustände 
unter Alfred dem Grossen zurückzuschrauben. Man kann 
neue sociale Mächte nicht tödten — nur dahin wirken, dass 
möglichst bald und vollständig ihre Lichtseiten die Schatten- 
seiten überwiegen, — 
Der lange Process der Macht- und Herrschaftsentwicklung 
des Capitals fand nun in England durchaus in der Weise statt, 
dass zuerst das bewegliche Handelscapital emporkam. 
Die mächtigen fixen Capitalien der grossen Fabriken ge- 
langten erst später zur Bedeutung und auch dann waren und 
sind sie stets mit Betriebscapital verbunden und werden nur 
unter der Herrschaft speculirender Besitzer fruchtbar. 
Jeder capitalistische Unternehmer ist, mag er zugleich 
Techniker sein oder nicht, jedenfalls Kaufmann. Der Handel 
dictirt, was, wo und wie produeirt werden kann und jeder 
nimmt an der Herrschaft über die Production Theil, insoweit 
als er selbständig Handel treibt, d, h. insoweit er die Bedürf- 
nisse und die möglichen Wege zu ihrer Befriedigung richtig 
erkennt und benutzt. Je bedeutender bei Ausdehnung des 
Markts diese Herrschaft des Handels, je bedeutsamer die mer- 
cantilen Erwägungen bei allen selbständigen Producenten wer- 
den, desto mehr herrscht über die Praduetion ein egoaistischer
	        
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