164 Neuntes Buch. Erstes Kapitel.
von den arabischen Herrschern der nordafrikanischen Küste, er
belehnte König Amalrich von Cypern, Boemund von Antiochien,
Leo von Armenien mit ihren Reichen; nach Byzanz sandte er
Heinrich von Kalden, alles Land südlich von Epidaurus und
Thessalonich als normannisches Erbteil zu fordern: und der
Kaiser Alexius zahlte Tribut aus den heiligen Schätzen der
Kirchen und der kaiserlichen Gräber. Es waren die letzten Vor⸗
bereitungen zum Zuge; im Sommer 1197 standen gegen
60 000 Krieger in Apulien der Kreuzfahrt gewärtig; im Sep⸗
tember stach die Flotte in See; stündlich erhoffte man den
Aufbruch des Kaisers.
Da ist Heinrich am 28. September 1197 zu Messina
gestorben.
Ein Zug bittrer Wehmut ergriff die Nation bei dieser
Nachricht. Heinrich hatte das Gleichgewicht ihrer fürstlichen
Gewalten hergestellt, er hatte die unendlichen sozialen Kräfte
ihrer mittleren Stände entbunden, noch mehr als Friedrich hatte
er die Deutschen politisch zum ersten Volke des Abendlandes
gemacht; stolz sah der Deutsche herab auf die zerfahrene Ohn⸗
macht der Romanen. Großen Geschicken schien die Nation
entgegenzugehen, nach einem hohen Ziele streckte sie sich: da
vard ihr der alles lenkende Herrscher entrissen.
Wir begreifen die rührenden Totenklagen der Zeitgenossen,
die unter dem politischen Verfall der folgenden Generationen
um so bitterer austönen. Aber stellen wir uns auf den nationalen
Standpunkt der Gegenwart, so werden wir den jähen Abbruch
der staufischen Universalpolitik erleichtert begrüßen. Schon
Friedrich J. ist, ewig von italienischen Plänen unterbrochen,
nicht zu derjenigen Befestigung seiner deutschen Gewalt gelangt,
welche die nach jeder Heimkehr wiederholten Versuche erneu⸗
ten Aufbaus, wären sie stetig gewesen, in bestimmte Aussicht
stellten; unter einer weiteren ungehemmten Führung Heinrichs
gar wäre die Nation zur Magd eines italienisch gekennzeichneten
Universalismus geworden.
Die nationale Bedeutung Heinrichs ist nicht in seiner