162 J Neuntes Buch. Erstes Rapitel.
der Normannenkönige ein. Über das Land und die Dynastie,
die dem Kaiser früher zu trotzen gewagt, erging nach anfäng—
licher Milde ein furchtbares Strafgericht. Bischöfe, Grafen,
Barone wurden geblendet, gespießt, verbrannt, lebendig be—
graben, im günstigsten Falle nach deutschen Burgen in Ge—
wahrsam gebracht; auch der junge König Wilhelm wurde
schließlich geblendet nach Hohenems geführt, die Königin Sibylla
nach Hohenburg im Elsaß. Als Despot führte sich Heinrich
in Sizilien ein, während seine Gemahlin ihm nach neunjähriger
unfruchtbarer Ehe am 26. September 1194 einen Knaben gebar,
den späteren Kaiser Friedrich II.
Heinrich stand im ersten Gipfelpunkte seiner Macht und
seines Glückes. Er hatte sich losgelöst von jener verstrickenden
Unterstützung der deutschen Fürsten, der sein Vater niemals
entronnen war; ohne Rücksicht auf den ohmächtigen Papst
in Rom gebot er über das Schicksal seiner Länder. In
den Ministerialen des Reiches, deren goldne Jahre jetzt ein—
treten, verfügte er über allzeit getreue und allgegenwärtige
Werkzeuge seines Willens. In Sizilien bestellte er seine Ge—
mahlin zur Regentin; der Reichsministerial Konrad von Urs—
lingen, Herzog von Spoleto, trat ihr als Statthalter zur
Seite. In Mittelitalien schaltete er eigenmächtig über das
Patrimonium Petri und die mathildischen Güter; er setzte in
Rom einen kaiserlichen Stadtpräfekten ein trotz ausdrücklichen
Verzichtes Friedrichs J. auf dieses Recht im Frieden von
Venedig; er verlieh seinem Bruder Philipp Tuscien und das
mathildische Erbe. Der Reichsdienstmann Markward von
Anweiler ward Statthalter über die Mark Ancona, über die
Romagna und Ravenna, der Ministerial Konrad von Lützelhard
ward Graf von Molise. In Oberitalien wußte der Kaiser die
alte Nebenbuhlerschaft zwischen Genua und Pisa zu beleben,
dem lombardischen Bund setzte er einen Bund kaiserlicher
Städte und der Markgrafen von Montferrat entgegen; das
Land war ruhig.
Als Beherrscher Italiens und der Kurie betrat der Kaiser