Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Städte und Bürgertum zur Stauferzeit. 21 
Über diesen Handel hinaus begann sich, wohl gegen 
Ausgang der karlingischen Wirtschaftspolitik, also seit dem 9. Jahr— 
hundert, energischer ein deutscher Aktivhandel auszubilden. 
Er war zunächst räumlich eng begrenzt; die großen Flußthäler 
und Stromgebiete bildeten der Hauptsache nach seine natürlichen 
Bezirke. So gab es einen Donauhandel, dessen Mittelpunkt 
Regensburg war, da die große west-östliche Handelsrichtung 
auf Byzanz seit der Eroberung Pannoniens durch die Ungarn 
dauernd verschüttet blieb. Es bildete sich ein Handel im Elb— 
gebiet aus; doch war er noch sehr beschränkt, weil ihm die 
sichere Anknüpfung an den Ostseehandel nur sehr unvollkommen 
iber Schleswig gelang, und weil sein eigentliches Hinterland 
noch von gering entwickelten Slawenstämmen bewohnt ward. 
Weit höhere Stufen erreichte der Handel in den westlichen Ge— 
bieten. Hier war der Rhein die gegebene Straße. Der Strom 
aber kam im wesentlichen nur als Weg zu Thal in Betracht; 
nach Süden hin schlossen die Alpen trotz aller Kriegszüge der 
deutschen Kaiserzeit den Handelsverkehr noch auf lange ab; nur 
ein geschickt organisierter Nachrichtendienst überschritt in regel⸗ 
mäßigen Gezeiten das Hochgebirg. Und auch der Rheinweg zu 
Thal bildete noch kein völlig einheitliches Handelsgebiet. Bis 
in die Periode der Salier zerfiel er vielmehr in eine ober⸗ 
rheinische und eine niederrheinische Hälfte. Am Oberrhein waren 
Zürich und Konstanz, Straßburg und Speier, Worms und Mainz 
die Emporien; ihr Verkehr sammelte sich naturgemäß in Mainz, 
wohin auch der Main mit Würzburg und bald Bamberg wies; 
so ward Mainz zur Haupthandelsstadt des Gebietes; seit dem 
10. Jahrhundert war es eine der größesten Städte des Reiches, 
die auxea Maguntia, die prima regni sedes. Indes je mehr 
der Weinverkehr zunahm, dessen Betrieb schon die Bezwingung 
der Stromsperre des Binger Loches lohnte, um so mehr ver— 
ichmolz der oberrheinische Handel mit dem niederrheinischen, 
um so mehr mußte Mainz dem Ruhme Kölns weichen. 
Das niederrheinische Handelsgebiet, wie es sich von Dort— 
mund bis Cambray, von Bingen und Trier bis zum Mündungs— 
sande des Stromes erstreckte und in Köln seinen Mittelpunkt
	        
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