Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Konziliare Bewegung, Wiener Konkordat vom Jahre 1448. 419 
waren keineswegs schon beseitigt, noch auf lange, ja in ihren 
Nachwirkungen bis zur Gegenwart haben sie verhindert, daß 
Böhmen zum Mittelpunkt einer großen osteuropäischen Staaten— 
bildung geworden ist. Sigmund aber erbitterte außerdem das 
Land bald durch schiefe Auslegung und Überschreitung der 
14 Artikel; ein Aufruhr drohte eben, als er starb, am 9. De— 
zember 1437. Nun sollte sein Schwiegersohn Albrecht folgen, 
und nach dessen frühem Tode sein nachgeborener Sohn 
Ladislaus. Allein beide wurden des Landes niemals völlig 
Herr, vielmehr schwang sich allmählich der dechische Baron 
Georg Podiebrad zum Gubernator und König des Landes 
auf. Und als er 1471 starb, folgte ein polnischer Prinz 
Ladislaus und diesem Ludwig II.; erst nach dessen Tode 1526 
kamen die Habsburger zur böhmischen Herrschaft. — 
Auch in Ungarn haben die Habsburger es, trotz allen Erb— 
rechts, nicht früher zur Regierung gebracht. 
König Sigmund hatte viel vom magyarischen Charakter 
und Temperament; er verwaltete das Land Ungarn gut, sein 
Banderium hielt den inneren Frieden aufrecht, die ständischen 
Freiheiten blühten unter ihm empor: er war nicht unbeliebt. 
Anders fiel das Los seinem Schwiegersohn und Nachfolger 
Albrecht. Vergebens zog er zum Vorteil des Landes gegen 
den türkischen Erbfeind und ging auf dem Zuge zu Grunde; 
nicht seinem Sohne fiel die endgültige Nachfolge unbehelligt 
und dauernd zu, sondern dem heimischen Heldengeschlecht der 
Hunyady. Aus ihm abstammend regierte Mathias Corvinus 
gewaltthätig und glorreich ein volles Menschengeschlecht, 1458 
bis 1490; dann folgten die böhmischen Könige Ladislaus und 
Ludwig. Ludwig fiel in der Türkenschlacht von Mohacz 1526; 
mit der Hand seiner Schwester Anna erst fielen Böhmen und 
Ungarn an Ferdinand, den Bruder Kaiser Karls V., und da⸗ 
mit an das Haus Habsburg, den luxemburgischen Erben. — 
Übersieht man all diese Ereignisse im deutschen Osten und 
dessen Grenzlanden, deren Verlauf auch über die Zeit König 
Sigmunds hinaus hier kurz zu erzählen war, so zeigt sich, 
daß die luxemburgische, später habsburgische Macht schon 
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