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eingesetzte Ingenieur-Kommission schlug nach eingehenden Unter
suchungen drei Linien für das gewaltige Werk vor: einen Küsten-
kanal von der Zuidersee über Zwartsluis, Assen, Leer, Oldenburg,
Vegesack, Bremervörde, Stade; einen Zentralkanal über Kämpen,
Zwolle, Meppen, Diepholz, Wildeshausen, Delmenhorst, Bremen,
Stade, und einen Grenzkanal über Wesel, Haltern, Münster, Biele
feld, Minden, Buxtehude. Zur Ausführung empfahl sie, seiner
Billigkeit wegen, den Küstenkanal. Dazu kam noch ein Kanal
Hamburg-Lübeck auf der Alster- oder Stecknitzlinie; die Wasser
verbindung zwischen der Zuidersee, Antwerpen und Paris bestand
schon. Man entschied sich schließlich, die Ausmündung des Kanals
in die Elbe nach Altenbruch zu legen, wo außerdem ein großes
Marine-Arsenal mit einer Schiffswerft zum Bauen von gleichzeitig
drei Linienschiffen und einer Fregatte und zur Ausrüstung von
zwölf Linienschiffen und ebensoviel Fregatten vorgesehen war.
In Hamburg selbst sollte ebenfalls eine leistungsfähige Schiffs
werft mih einem Bagno für 600 Galeerensträflinge errichtet werden.
An Insassen würde es bei den drakonischen Urteilen des Prevotal-
Gerichtshofes gegen Schmuggler nicht gefehlt haben Der
Bau des Marine-Arsenals lag Napoleon vor allem am Herzen.
Die von ihn: am 18. März 1811 verfügte Marine-Inskription
in den hanseatischen Departements wurde deshalb mit besonderem
Eifer betrieben: 3000 Seeleute sollten hier ausgehoben werden;
jeder Bürger von über 18 Jahren, der anderthalb bis zwei Jahre
zur See gefahren war, mußte sich in die Listen einschreiben lassen.
Alle diese Pläne sind jedoch unausgeführt geblieben. Von
dem Kanalprojekt scheinen den Kaiser besonders die hohen Kosten
abgeschreckt zu haben, die im umgekehrten Verhältnis zur Renta
bilität des Wasserwegs in Friedenszeiten standen. Er äußerte
schon im Januar 1811, der einfachste Weg von Hamburg nach
Holland sei der durch die Watten, zu dessen Schutz er die ost
friesischen Inseln befestigen lassen wolle. Der Bau des Kriegs
hafens an der Elbe ist wohl nur infolge der Vorbereitungen zum
russischen Feldzug unterblieben.
Während so die militärischen Rüstungen gegen England
— allerdings mehr in maßlosen und phantastischen Plänen, als
in wirklichen Taten — ihren Fortgang nahmen, suchte Napoleon
auch den wirtschaftlichen Kampf aufs neue zu organisieren, nach-