Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Erste Blüte individualistischen Geisteslebens. 183 
dieses fürderhin noch in den tausend Sächelchen eines kräftig 
entwickelten Kunsthandwerks Bethätigung fand. 
Im ganzen muß so von der Entwicklung der Bildnerei gesagt 
werden, daß sie sich mit Ausnahme gewisser Werke der nordischen 
und der fränkischen Schule im Naturalismus des 15. Jahrhunderts 
erschöpfte; der Übergang zu einer reicher ausgestatteten Ideal— 
plastik ist im allgemeinen nicht gefunden worden. Der künstlerische 
Fortschritt in dieser Richtung, wie ihn die Wende des 15. und 
16. Jahrhunderts brachte, fiel vielmehr der Malerei und dem 
mit ihr verbundenen Holzschnitt und Kupferstich zu: nur 
sie sind, unter fortwährender Steigerung der nationalen Sym— 
pathien für sie, allseitig zur vollen Sonnenhöhe einer Kunst 
emporgediehen, in der eine idealistische Auffassung sich aufs 
innigste mit dem Naturalismus des 15. Jahrhunderts paarte. 
Indes, ehe auf dem Gebiete der malenden und zeichnenden 
Künste dieser Höhepunkt erreicht ward, hatte der Fortschritt der 
wissenschaftlichen und litterarischen Bewegung einen ganz an— 
deren Boden für ihr Verständnis und ihr Gedeihen geschaffen. 
II. 
Die ersten Spuren humanistischer Bestrebungen am böh— 
mischen Hofe Karls IV. waren, soweit sie nach dem eigentlichen 
Deutschland führten, ziemlich bald verwischt worden!; vergebens 
hatte Petrarca im Jahre 1856 in Prag geweilt. Auch Enea 
Silvio hatte um fast ein Jahrhundert später umsonst für die 
italienisch-klassischen Studien gewirkt?; auch diesmal, wie schon 
unter Karl IV., wurde im ganzen nicht viel mehr, als eine 
gewisse geistige Bewegung in der kaiserlichen Kanzlei hervor— 
gerufen. 
Daneben aber traten zur Zeit Silvios, ja teilweis bereits 
früher, andere, organischere Einwirkungen. Einige hervor— 
S. oben S. 157 f— 
S. oben S. 128. 
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