Die Dichtung der Renaissance in i i
Die aissance in ihren unmittelb. Abwandlungen. 255
Dabei übertrafen die Schüler, vom Standpunkte schöpferischer
poetischer Begabung aus, keineswegs den Meister. Hatte
Hofmannswaldau noch eine gewisse dichterische Anlage gehabt,
wie er denn, in vornehmer Lebensstellung, zu seiner Selbst-⸗
befriedigung dichtete und keineswegs zum Ergötzen anderer,
so wurden diese Spuren schöpferischer Ausstattung bei den
Schülern immer geringer. Schon bei Kaspar Daniel von
Lohenstein (1635—1683), dessen Name später für unverständ—
lichen Schwulst schlechthin bezeichnend geworden ist, zeigte sich
das: fern stand Lohenstein dem noch faunischen Behagen Hof—
mannswaldaus am Unanständigen, da bei ihm die Empfindung
für den Unterschied zwischen Anstand und Schamlosigkeit überhaupt
verwischt erscheint; ins Ekelhafte zieht er, was bei Hofmanns—
waldau noch einfach gemein war, und mit kaltem Verstande
begibt er sich auf das Gebiet des Obszönen. Als Dramatiker
aber, auf dem Gebiete, auf das ihn seine Anlage zunächst ver—
wies, ist er der extremste Virtuos raffiniert erfundener und
ausgemalter Szenen des Schrecklichen, Grausamen, Nerven⸗
erschütternden überhaupt. Die übrigen Namen aber dieser
zweiten schlesischen Dichterschule, ein Mühlpfort, von Assig,
von Abschatz, auch der jüngere Gryphius, bedeuten dichterisch
nichts mehr; das unglückliche Prinzip ruinierte rasch auch ur—
sprünglich bessere Begabung.
Die Dichtungen Hofmannswaldaus und Lohensteins wie
ihrer Nachfolger machen auf uns den Eindruck unerträglicher
Gemachtheit und schwülstigsten Aufbauschs von Nichtigkeiten.
Und doch kann wenigstens Hofmannswaldau ein Zug zur Poesie,
eine Ader der. Einbildungskraft nicht abgesprochen werden, wie
sich denn die ganze Richtung der eigenen Meinung wie der
Ansicht der Zeitgenossen nach in starker Reaktion gegen die
Verstandesmäßigkeit der Nachfolger Opitzens bewegte. Es war
ein Kampf gegen den Intellektualismus in der Dichtung, der
sich doch seinerseits wiederum auf der viel breiteren allgemein—
intellektualistischen Grundlage der ganzen Zeit vollzog: und darum
endete er ergebnislos in heillosem Schwulste. Über seinen Ab—
schluß hinaus kam es aber in immer zunehmendem Maße zu