Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Übersicht der fremden Lultureinflüsse vom 16. bis ins 18. Jahrh. 18 
Im 185. Jahrhundert hatte Deutschland und hatten ins— 
besondere die Niederlande in dem weitn Reiche der bildenden 
und darstellenden Künste ihrerseits Italien noch mehr befruchtet, 
als von ihm empfangen: vlämische Bilder waren in Italien 
weithin verbreitet und zieren noch heute die Museen und Biblio⸗ 
theken des Landes, und vlämische Musik ist noch tief bis 
ins 16. Jahrhundert hinein in Italien erklungen. Aber mit 
dem Beginn des 16. Jahrhunderts änderte sich das: unauf— 
haltsam drang von nun ab die italienische Kunst nach 
Norden. 
Den Reigen führte die bildende Kunst und in ihr wieder⸗ 
um das Ornament und die gemalte Architektur und architek⸗ 
tonische Umrahmung. Beide gelangten schon um 1500 stärker 
über die Alpen, und demgemäß nahm zunächst das Kunst— 
gewerbe, namentlich auch die polygraphische Technik, die neuen 
Formen auf. Ihnen folgte dann die Plastik nach, insofern sie 
unselbständig verzierte und volle freie Schöpfungen vermied, 
und dieser endlich die große Kunst der Malerei und Architektur. 
Die Malerei fand dabei stärkere heimische Widerstände in 
Binnendeutschland, wo damals die gewaltige Kunst eines Dürer 
blühte, während die niederländische Kunst nach einer Höhezeit 
ohnegleichen während des 15. Jahrhunderts eben im Nieder— 
zange begriffen war; und so kann man die stärkeren italienischen 
Einflüsse auf diesem Gebiete in den Niederlanden schon um 
1520, in Binnendeutschland erst um 1530 studieren. Aber 
freilich blieb dann in Binnendeutschland der italienische Ein— 
luß maßgebend, bis er von dem niederländischen abgelöst 
ward, während in Flandern und Holland von dem Augenblicke 
ab, da die Malerei die führende Rolle in der deutschen bilden⸗ 
den Kunst zu gewinnen begann, seit etwa dem letzten Viertel 
des 16. Jahrhunderts, der italienische Einfluß immer mehr 
zurückgedrängt wurde; das letzte große Ereignis in seiner Ge— 
schichte ist Rubens' Reise nach Jtalien (im Jahre 1600) ge⸗ 
wesen. 
S. zu alledem Bd. VI, S. 297 ff.
	        
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