Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 441 
Woiwodschaften von Posen und Kalisch völlig geschlagen, 
Posen fiel ohne Schwertstreich: von Westen her war Luft ge— 
macht für einen Stoß in das Herz des Feindes. Und nun 
folgte der Schwedenkönig selbst von Pommern aus mit einem 
Heere von Kerntruppen; in raschem Zuge, unter fortwährender 
Unterwerfung der einzelnen polnischen Dynasten eilte er vor— 
wärts: am 9. September erschienen die ersten Schweden in 
Warschau. Und auch damit noch nicht genug. Wie fünfzig 
Jahre später Karl XII. in noch kühnerem Zuge gegen Ruß— 
land, so rückte der König weiter gegen Süden vor; am 17. Ok— 
tober fiel Krakau: Johann Kasimir mußte außer Landes fliehen, 
die Republik lag zu den Füßen Karl Gustavs. 
Aber waren diese rasch gewonnenen Eroberungen ge— 
sichert, so lange nicht die Verbindung mit Schweden unbedingt 
offen war? Und war es hierfür nicht erstes Erfordernis, daß 
die Seeküste in sicherem schwedischem Besitze blieb? Das war 
aber nur der Fall, wenn man die Basis des Feldzuges von 
dem entfernten Pommern in das Land unmittelbar nördlich 
von Krakau und Warschau — nach Preußen verlegen konnte. 
Es war der Punkt, in welchem die Interessen Branden— 
burgs und Schwedens, im weiteren Sinne die deutschen Inter— 
essen und die des schwedischen Dominium maris baltici zu— 
sammenstießen. Der Große Kurfürst hatte das Bedürfnis 
Schwedens, sich auf Preußen zu stützen, in Verhandlungen 
noch vor dem Kriege zu seinen Gunsten auszunutzen gesucht. 
Und er war bestrebt gewesen, sich hierzu der Unterstützung der 
Niederlande zu versichern, die an den baltischen Fragen insofern 
ein Interesse hatten, als weitaus der größte Teil ihres See— 
verkehrs im Becken der Ostsee verlief: so daß Schweden 
nur die politische, die Niederlande aber die merkantile Herr— 
schaft ausübten: was in der Regulierung des Zollwesens und 
verwandter Fragen zu einem Verhältnis stetiger gegenseitiger 
Spannung beider Mächte führen mußte. Vergebens. Es war 
dem Kurfürsten nicht gelungen, vor Ausbruch des Kriegsgewitters 
irgendwelche Vorteile unter Dach zu bringen. 
Nun, da rasche Siege den Schwedenkönig nach Süden
	        
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