Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
politische. Und es fand seinen vollendeten Ausdruck schließlich 
in einer neuen Art der Zeitung. 
Vor Friedrich dem Großen hat es in Deutschland kaum 
publizistische Organe gegeben, die sich mit Besprechung und 
Kritik öffentlicher Zustände beschäftigt hätten; es gab nur eine 
gelehrte staatsrechtliche Literatur. Da gab König Friedrich 
den beiden Zeitungen Berlins eine größere Freiheit, wenn er 
auch den reichlichsten Gebrauch von dieser nur in eigener Person 
machte. Und bald folgten dem allenthalben die „Wochen⸗“ 
und „Intelligenzblätter“, die neben Belehrungen gemeinnützigen 
Inhaltes sich auch mit Fragen des bürgerlichen und politischen 
Lebens zu beschäftigen begannen: allen vorweg Mösers präch— 
tige Osnabrückische Intelligenzblätter (1766 —82), für Süd— 
deutschland besonders eindringlich die „Deutsche Chronik“ des 
unglücklichen Schubart (von 1774 ab). Und von da an ver—⸗ 
breitete und vertiefte sich diese Strömung am Schlusse des 
Jahrhunderts so, daß man schon von einer nicht unbedeutenden 
periodischen Presse reden konnte. Göckingk teilt in dem Pro— 
spekt zu seinem Journal von und für Deutschland (1784) mit, 
daß er 217 Zeitungen, Intelligenzblätter und Adreßnachrichten 
in Deutschland kenne, daß er aber Grund habe zu vermuten, 
das sei noch nicht die Hälfte aller vorhandenen. Freilich seien 
viele darunter nur primitive Annonzenblätter. 
Bei einer solchen Entwicklung der öffentlichen Presse drängt 
sich sofort die Frage auf, ob es denn schon einen Journalisten⸗ 
stand gegeben habe. Denkt man dabei an den modernen 
Journalismus, so ist sie zu verneinen. Doch gab es schon 
eine Vorstufe des heutigen Standes, die mehr war, als die 
Stufe des Gelehrtentums des 18. Jahrhunderts, und eben 
parallel der Entwicklung der allgemeinen Bildung war sie er— 
wachsen: als die des Literatentums kann sie bezeichnet werden. 
Die Honorare des Buchhändlers Cotta an Schiller be— 
trugen mehr als 83000 Gulden; er und seine Erben haben 
im ganzen etwa 275000 Mark Honorar erhalten. Goethe be⸗ 
zog bei seinen Lebzeiten etwa 147500 Reichstaler, rund 
1450 000 Mark Honorar. Es waren in der deutschen Geschichte
	        
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