Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Einleitung. 
doch vor allem die Musik die führende Kunst. Was haben sie 
nicht eben die großen Dichter dieser Zeit schon unendlich ge⸗ 
liebt! Von den Denkern aber hat Leibniz bereits mit allem Ent— 
zücken von ihr gesprochen, bis sie in späterer Zeit, bei Schopen⸗ 
hauer z. B., geradezu als wichtiger Bestandteil philosophischer 
Spekulation in metaphysische Systeme eingegangen ist. In der 
Tat ist sie insofern die subjektivste aller Künste, als sie mehr 
als jede andere Phantasietätigkeit nur Symbole von Emp⸗ 
findungen und Gefühlen schafft, die sich jeder Hörer in sein 
Gefühl und seine Empfindungen umzusetzen hat: so daß dem 
Genießenden die vollste Fülle seiner Subjektivität erhalten 
bleibt, insofern sie aktuell ist und die Umsetzung vornimmt. 
Die Dichtung dagegen und selbst die Lyrik gibt menschlichen 
Gefühlen doch stets bereits eine unmittelbar und konkret um— 
rissene sprachliche Form und prägt also die Empfindung schon 
mmer mit stärkerer Bezugnahme auf persönliche Auffassung 
aus. Und insofern zwingt sie den Hörer, sich als Subjekt 
doch immer bis zu einem gewissen Grade in sie hinein zu 
verlieren: entspricht mithin nicht in gleich hohem Grade den 
Anforderungen eines strengen seelischen Subjektivismus. 
Aber freilich, soweit die Dichtung die Mitwirkung und 
gleichsam sekundäre Autorschaft und Schöpferkraft des Ge⸗ 
nießenden in Anspruch nehmen kann, so weit hat sie das in 
dem neuen Zeitalter auch getan, und gerade im Verfolge 
dieses Weges besteht seit Mitte des 18. Jahrhunderts ihre 
innerste Geschichte. Ein erstes, alsbald entwickeltes Mittel war 
es hier, Dichtung überhaupt als Selbsterlebnis zu empfinden. 
Damit war nicht bloß ein persönlicher Stil mit dem besten 
aller Förderungsmittel zu ihm hin eingeführt; der subjektive 
Dichter durfte auch hoffen, bei den subjektiven Bedürfnissen 
der Hörer den Anklang zu finden, der das Stehen gleichsam 
auf dem gleichen seelischen Resonanzboden verbürgte. Unter 
diesen Umftänden ist es denn nicht zu verwundern, wenn man 
schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bei den 
Asthetikern, z. B. bei Eberhard, tiefgreifende und einsichtsvolle 
Bemerkungen über persönlichen Stil und Subjektivismus der
	        
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