Die Freiheitskriege: 1809, 18183.
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tat —, war jetzt klar: aus Norden nur, aus den Steppen
Rußlands, konnte der Freiheit Licht hervorbrechen. Und schon
—EDDD— Zukunft auf
diese Frage gestellt: die diplomatischen, fast auch schon die
militärischen Vorbereitungen für den Kampf gegen Rußland
waren getroffen: und aus dem Dunkel bereits der nächsten
Monate stoben die Funken des Brandes von Moskau.
III.
Es ist hier nicht der Ort, die Erscheinung und die Taten
Napoleons als ein Ganzes eingehend zu betrachten. Welt⸗
umfassend wie sie es waren für den damaligen Okzident, sind
sie auch nur bei weitgehender Vorführung aller Momente der
damaligen europäisch⸗mittelmeerischen Politik, ja auch der all⸗
gemeinen Überseepolitik der europäischen Mächte zu verstehen.
Genug für unseren Eindruck, daß Napoleon, von Blut und
Geburt mehr Italiener als Franzose, den Kreis spezifisch
französischer Interessen, wenn er ihn der Absicht nach je inne⸗
gehalten hat, schon längst überschritten hatte: was er seit 1805
Ind 1806 trieb, war nicht mehr patriotische und französische,
war napoleonische und persönliche. noch nicht einmal dwnastische
Politik.
Von den französischen Herrschern der späteren Zeit hat
wohl Ludwig XIV. die französischen Interessen gegenüber
Deutschland am besten ausgespielt. Er kannte das Unvoll⸗
kommene jeder anderen strategischen Linie Frankreichs gegen
Deutschland, als der Rheinlinie, und so sollte ihm der
Rhein nicht Deutschlands Strom, sondern Deutschlands Grenze
sein. Er begriff die unvergleichlichen Vorteile, welche eine
weitere destruktive Entwicklung der Reichsverfassung für Frank⸗
reich darbot: und so hat er diese Verfassung nicht zu be⸗
seitigen, sondern in ihrem Verfall zu begünstigen gesucht: bis
das Gewirr der tausend kleinen Souveränetäten aus ihr
hervorgegangen war, mit deren einzelnen Vertretern seine
glänzend entwickelte Diplomatie zu spielen nicht müde ward.