Object: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 165 
Theorie!) z. B. bilden in der Hauptsache bloß die Schicksale des 
deutschen Volkes. Bücher hat schon in der. ersten Auflage (S. 14; 
2. Aufl. S. 58) seine Theorie dahin begrenzt: sie gelte „wenig- 
stens für die zentral- und westeuropäischen Völker“. Wenn man 
sich aber zu einem solchen Zugeständnis genötigt sieht, so ver- 
zichtet man damit auf Allgemeingültigkeit der Theorie. 
Um nun die Stufentheorien einzeln durchzusprechen, so 
seßt Hildebrand's?) Periodisierung Natural-, Geld-, Kredit- 
wirtschaft voraus, daß bereits ein erheblicher Güteraustausch 
besteht?) und daß die Entwicklungsphasen nach den Formen, 
in welchen sich der Verkehr vollzieht, und nach den Ausgleichs- 
mitteln, deren er sich zur Bewerkstelligung der Umsätze bedient, 
unterschieden werden. Seine Lehre will die Wirtschaftsweisen 
nach ihren Symptomen ordnen. Es sind aber Symptome, 
die das Wesen des Verkehrs betreffen. Wenn man gegen H.s 
Stufentheorie eingewandt hat, daß sie die Entwicklungsphasen 
nur nach jenen Formen und Ausgleichsmitteln unterscheide, so 
spielen diese doch in der VWirtschaftsentwicklung eine entscheidende 
Rolle, und es ist keine Stufentheorie aufgestellt worden, die die 
Dinge umfassender ergreift. Weiter hätte er als Gegensatz 
gegen seine „Kreditwirtschaft“ eine Barwirtschaft statuieren 
müssen. Es wäre dann die Frage, ob in der neuesten Zeit in 
der Tat eine Tendenz zur Verdrängung der Barzahlung durch 
das Kreditwesen zu beobachten ist, ob das Geld die Funktion, 
unmittelbar als Tauschmittel zu dienen, mehr und mehr verliert. 
Man wird antworten, daß einerseits eine solche Tendenz, andrer- 
seits aber auch eine entgegengesetzte hervortritt. Von einer gerad- 
linigen Entwicklung ist also nicht die Rede. Auf den Umstand, 
daß auch bei der Herrschaft einer Kreditwirtschaft das Geld als 
Preismaß bestehen bleibt, braucht nur kurz hingewiesen zu wer- 
!) Auch Sombart S. 383 spricht, wie er besonders betont, von 
Schmollers „Theorie“. 
?) Vgl. Ad. Wagner a. a. O. S. 440 f.; Sombart S. 372. 
s) Vgl. Bücher, Entstehung der Volkswirtschaft S. 55. Im folgen- 
den ist stets die zweite Auflage gemeint, falls nicht das Gegenteil aus- 
drücklich angegeben ist.
	        
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