Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

146 Vierundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
zurück, ubernahm 1820 die Direktion der Düsseldorfer Akademie 
und begann zugleich in der Munchner Glyptothek im Auftrage 
König Ludwigs zu malen. Darauf wurde er 1825 als Akademie— 
direktor nach München berufen und schuf weiter im Sinne und 
Auftrage des Königs. Die Fresken der Loggien in der Pinako— 
thek waren schon begonnen; hierzu kamen als Munchner Haupt⸗ 
werk die Malereien der Ludwigskirche, vor allem das Jungste 
Gericht, das 1840 vollendet wurde. In diesem Jahre zog 
Cornelius dann desselben Wegs wie Schelling, der letzte noch 
lebende große idealistische Philosoph; König Friedrich Wil—⸗ 
helm IV. hatte ihn nach Berlin berufen. Hier hat er dann 
noch im alten rastlosen Eifer, seinen Idealen reinen Herzens 
dienend, die Kartons zu den Wandgemälden des geplanten 
Campo santo und des Doms geschaffen, die jetzt den großen 
Oberlichtsaal der Nationalgalerie füllen; Kompositionen, die 
so großartig gedachte Stücke wie die apokalyptischen Reiter 
enthalten; zur Ausführung ist er nicht mehr gelangt. 
Die Fresken der Glyptothek schildern das Leben in der 
Natur, wie es sich im Gestaltenkreis des hellenischen Olympes 
auswirkt; die Wandgemälde der Ludwigskirche den Kreis der 
christlichen Offenbarung als etwas Ganzes; die Entwürfe für 
den Berliner Campo santo „die allgemeinen und höchsten 
Schicksale des Menschengeschlechts, das Walten der göttlichen 
Gnade der Sünde der Menschen gegenüber, die Erlösung von 
der Sünde, Verderben und Tod, den Sieg des Lebens und 
der Unsterblichkeit“. Es waren Stoffe, deren Bewältigung 
durch Cornelius einen Teil der Zeitgenossen mit höchster Be— 
geisterung erfüllte; Vergleiche mit Michelangelo schienen an— 
gebracht, wenn sie nicht gar als zu mager galten. Und sicherlich 
fühlt man dieser Kunst auch heute noch das Tiefe, Einfältige 
und Große nach, das Niebuhr ihr zusprach. Dennoch erweist 
sie sich schon in der Konzeption nicht von der dauernden 
Wirkung des gänzlich Großen. Die Beziehungen der Figuren 
und Gemälde untereinander erscheinen ausgeklügelt; es war ein 
unbewußt richtiges Urteil, wenn nicht eine Verurteilung, wenn 
der philosophische Ehrendoktor Cornelius mit ihnen den Begriff
	        
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