274 vierundzwanzigsies Buch. Drittes Kapitel.
eines Bildes und demgemäß ein Übergang auch zur Darstellung
neuer Stoffe: des Sittenbildes, das sich zum Teil aus der
primitiven realistischen Landschaft heraus entwickelte, der be⸗
lebteren Landschaft, und endlich eines sentimentalen Historien⸗
bildes, wie es leicht aus dem stark gepflegten Illustrationsbilde
zu beliebten Stellen klassischer Dichter hervorgehen mochte.
Am beliebtesten wurde dabei das Sittenbild; und zwar
vornehmlich das bäuerliche. Denn wie die Kunst des Mittel⸗
alters geistlich, die des 18. und 16. Jahrhunderts altbürgerlich,
die des 17. und 18. Jahrhunderts fürstlich gewesen war, so
erhielt sie in diesen Zeiten einen Zug ins vornehmlich Neu—
bürgerliche, Bourgeoismäßige: und in diesem Zusammenhange
erschien ihr als die nächste fremde und darum besonders fesselnde
Welt die der Bauern: noch traten die Verhältnisse der Unter⸗
nehmungswirtschaft, noch vor allem die Leiden und Freuden
des vierten Standes, der Arbeiterklasse des Unternehmens, nicht
in den Bereich des künstlerischen Interesses. So macht denn heute
die primitive akademische Kunst des Realismus vor allem eben auf
dem Gebiete des Sittenbildes den Eindruck des Biedermaierischen,
des Philiströsen. Das Exotische, mit Ausnahme Italiens, fehlt
in ihr; das fremde Heimische erscheint als unter sentimentalem
Gesichtswinkel gesehen. Aus der Vergangenheit der Nation
hleiben nur Ritter und Klosterbrüder beliebte Figuren; der Bauer
wird in allen Erlebnissen geschildert, die Klatschbasen beschäftigen:
bei Kindtaufe, Firmung und Konfirmation, bei Hochzeit und
vor allem auch beim Begräbnis; daneben sind Spielerszenen,
Bankerotte, Pfändungen beliebte Effekte.
Es war eine Malerei, die schon in den dreißiger Jahren
zur Massenproduktion gelangte. Zu voller Höhe und zu fort⸗
schreitender künstlerischer Läuterung kam sie indes doch erst
seit den vierziger Jahren, gleichzeitig mit der nunmehr stark
einsetzenden Bauernnovelle und dem Dorfroman, von denen
sie auch nicht unbedeutend beeinflußt wurde. In Düsseldors
gehörten dieser Bewegung in der bildenden Kunst vor allem
Hasenclever und Jordan an. Doch verstärkte sie sich schon früh
auch an anderen Orten, in Wien z. B., wo sie bei Danhauser