Beginnender Realismus.
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erweiterte. Bisher hatte man nach einzelnen Meistern, die
man als absolut vorbildlich verehrte, geschaffen und gelegentlich
auch nach der Natur; jetzt trat neben die noch immer ver⸗—
nachlässigte Natur als Lehrmeisterin das ganze weite Gebiet
der geschichtlich gegebenen Malerei, aber nicht mehr als ab⸗
solutes Vorbild — was schon die in der Geschichte der Kunst
beschlossenen Widersprüche verhinderten —, sondern als ein in
großer Ausdehnung aufgetanes Feld früherer Versuche, wechseln⸗
den malerischen Idealen nahezukommen. Wie konnte man sich
in diesen bunten und abwechslungsreichen Auen ergehen, wie
diesem Arsenal Waffen entnehmen zur Bezwingung auch der
Probleme der Gegenwart!
Allein diese Erfolge der kunsthistorischen Forschung traten
naturgemäß nur langsam ein; fast zwei Menschenalter sind
darüber hingegangen, ehe so fundamentale Tatsachen, wie
die geschichtliche Erkenntnis vom Wesen der Stile Gemeingut
der künstlerischen Anschauung wurden. Und vorher zeigte sich
zwar auch schon die befreiende Wirkung der Kunstgeschichte für
den Kunstbetrieb, aber sie hielt sich in engeren Grenzen; und
so hat noch in den fünfziger und sechziger Jahren, ja darüber
hinaus, die Ästhetik immerhin eine gewisse Rolle gespielt.
Freilich: Eines konnte sie nicht verhindern, daß nämlich, zu—
nächst auf dem Gebiete der Malerei, die Künstler mehr mit den
Augen ihres Zeitalters zu sehen begannen und sich darum bei
dem Umrißstil des Klassizismus und der Romantik nicht mehr
beruhigten, sondern, in Fortsetzung der niederländisch-deutschen
Entwicklung des 17. Jahrhunderts, vorwärts drangen in die
Reiche der Farbe und des Lichts.
Dabei war es begreiflich, daß, abgesehen von diesen all⸗
gemeinen Zusammenhängen, der aufkommende Historismus an
erster Stelle und mit am frühesten auch auf die Aufnahme des
eigentlichen Historienbildes einwirkte. So hat Schnaase schon
1834 die Historienmalerei als eine Forderung der Zeit ge—
predigt und die Pflege künstlerisch-historischer Tätigkeit in diesem
Sinne geradezu als ein „wahrhaft religiöses Bedürfnis“ hin—
gestellt. So hat noch später Vischer die Geschichte als Offen—