Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Politische Restauration; wirtschaftliche Fortschritte. 435 
gegenüber wie vor allem auch gegenüber dem freien Fracht- 
fuhrmann und Schiffer entstanden nun, mit steigendem Ver— 
kehre, sogenannte Speditionskontore: Anstalten, die den Ver— 
frachtern den Transport ihrer Güter namentlich auch auf weite 
Strecken hin vermittelten. Dabei lag es in der Natur der 
Dinge, daß diese Kontore die Frachtfuhrleute und Schiffer bald 
unter ihre Kontrolle brachten; und aus dieser erwuchs dann 
auch früh wirtschaftliche Abhängigkeit einer- und Herrschaft 
andererseits: Pferd und Fahrzeug gingen in den Besitz der 
Kontore über. Leise trat so an Stelle der alten Hauderei das 
moderne Transportwesen: und der Übergang zu dessen weiterer 
Durchbildung in Eisenbahn und Dampfschiffahrt war gewonnen. 
Denn nun wurde der Transport natürlich kaufmännisch und 
rationell betrieben: pünktlich, reichlich, häufig. Im Gebiete der 
Frankfurter Messe verkehrten z. B. jetzt Frachtwagen, die noch 
im Jahre 1816 nur einmal wöchentlich gefahren waren, schon 
im Jahre 1830 mit täglicher Regelmäßigkeit; dazu erlaubten 
ihnen die verbesserten Wege auch stärkere Ladung. Denn 
während man im Jahre 1820 noch auf ein Pferd im all— 
allgemeinen 10 bis 20 Zentner gerechnet hatte, lud man deren 
um 1830 schon 20 bis 25; in den vierziger Jahren hat man 
es dann gar auf Vierspänner mit 100 bis 120 Zentnern Ge— 
wicht gebracht. Trotz alledem wuchs die Zahl der Spediteure 
von Jahrzehnt zu Jahrzehnt beträchtlich: in Frankfurt mit 
seinen 54000 Einwohnern gab es deren im Jahre 1835 44 
außer etwa 300 Firmen, die Spedition als Nebenerwerb be—⸗ 
trieben: wahrlich genügend war den Anfängen eines Zeitalters 
der Eisenbahnen der Weg bereitet. Und schon war, was sich 
hier anbahnte, für den Transport zu Schiffe so gut wie voll— 
endet. Die Rheinschiffahrtskonvention vom Jahre 1831 hatte 
mit allen anderen alten Privilegien auch die der Schifferzünfte 
aufgehoben; Schiffahrtskontore ersetzten sie und machten zugleich 
den freien Leinpfadschiffern das Leben sauer: bis über sie alle 
die Dampfschiffahrt kam und den Strom einem modernen 
Transportbetrieb unterwarf. 
War nun nicht mit alledem etwas im Begriffe zu erwachsen, 
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